Wunsch und Bestreben, Bodhicitta zu erwecken

Geistestraining (Lojong) | Bodhicitta | Tibetische MeisterPatrul Rinpoche

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Patrul Rinpoche

Dza Patrul Rinpoche

Weitere Informationen:

Wunsch und Bestreben, Bodhicitta zu erwecken, in all seiner Reinheit und Erhabenheit

von Patrul Rinpoche

Namo Guru!

Dein Geist hat sich, vor vielen Zeitaltern, von allen Täuschungen befreit,
deine Sprache, ehrlich und wahrhaftig, ist frei von jeder Falschheit,
die Handlungen deines Körpers sind diszipliniert und aufrichtig –
großer Heiliger, authentisch und weise, vor dir verbeuge ich mich!

Erben des Buddha, die ihr die letztendliche Bedeutung erkannt habt,
Verkünder der Wahrheit, die ihr über prophetische Kraft verfügt,
ihr, die ihr mittels der drei Fahrzeuge auf dem Weg zur Befreiung seid –
vor euch allen verbeuge ich mich hingebungsvoll!

Von jetzt an, in allen zukünftigen Wiedergeburten, in all meinen Leben,
möge ich von euch, Buddhas und Bodhisattvas, niemals getrennt sein!
Buddhas und Bodhisattvas, bitte nehmt mich als euren Schüler an!
Buddhas und Bodhisattvas, lasst mich erreichen, was auch ihr erreicht habt!

Die Handlungen meines Körpers – mögen sie diszipliniert und aufrichtig sein.
Meine Sprache – möge sie aufrichtig sein, frei von Lüge oder Trug.
Mein Geist – möge er authentisch sein, frei von Schlichen oder List.
Möge ich mich auf spirituelle Lehrer und echte Dharma-Freunde stützen!

Der erste Zugang zum Pfad zur Befreiung;
der erste Fluchtweg, um den Gefahren Saṃsāras zu entrinnen;
der Auftakt zu allen Dharma-Praktiken:
echte Entsagung – möge sie in meinem Geist entstehen!

Besitze ich sie, habe ich alles, was ich zum Erlangen der Erleuchtung brauche,
fehlt sie jedoch, besteht keine Möglichkeit zum Erwachen.
Der unumstrittene Samen, der zur Buddhaschaft führt –
möge ich vollkommen reines und erhabenes Bodhicitta erwecken!

Möge erhabenes Bodhicitta weiter und weiter zunehmen.
Möge Bodhicitta in all meinen Leben niemals in Vergessenheit geraten.
Möge ich immer wieder über Bodhicitta meditieren,
und mich stets in der Lebensweise eines Bodhisattva üben!

Welcher Art die erleuchteten Handlungen des großen Weisen,
des heldenhaften Mañjuśrī oder Samantabhadras auch sein mögen,
mögen meine Taten, in all meinen Leben, den ihren gleichkommen,
und möge ich spontan mein eigenes Wohlergehen und das der anderen bewirken!

Der exzellente Pfad, der innerhalb eines einzigen Lebens zur Buddhaschaft führt,
mit geschickten Methoden, die gleichzeitig uns selbst wie auch anderen nutzen,
und mit der Sicht von nur einer Realität, in der Saṃsāra und Nirvāṇa untrennbar sind –
möge ich diesen einzigartigen Weg des Vajra-Fahrzeugs einschlagen!

Scharen von Vajra-Haltern, die die Herangehensweise dieses Pfades kultivieren,
und die sich jene als Gefährtinnen nehmen, die glückselige Leerheit herbeiführen,
um so die Einführung in gleichzeitig entstehende Weisheit zu bewirken,
möge ich mich dieses einzigartigen Pfades im Bereich der Ḍākinīs erfreuen!

Das Antlitz meiner ursprünglichen Natur, der Geist selbst, unverändert gelassen,
meine eigene Essenz, völlig unverfälscht – möge ich sie unverhüllt erblicken!
Möge ich eine Meditation aufrechterhalten, die keine Spur von Veränderung zeigt,
und dadurch die letztendliche Frucht erlangen, die frei von allem künstlich Erzeugtem ist!

Mögen bis dahin all meine Wünsche in Erfüllung gehen!
Möge ich, solange ich lebe, keine negativen Absichten hegen,
und möge mir, wenn ich sterbe, ein qualvoller Tod erspart bleiben.
Möge ich nach meinem Tod keine Angst vor verblendeten Erscheinungen haben!

Mögen alle, die mich sehen, mich hören, an mich denken oder auf irgendeine Art mit mir in Kontakt kommen,
Entsagung, Bodhicitta und gleichzeitig entstehende Weisheit entwickeln,
und möge sich gleichermaßen Rigpa in ihrem Geist erheben, genau wie es ist,
damit sie rasch zu vollkommener Buddhaschaft gelangen!

Möge ich den sonnengleichen Buddha, mit seinen Zeichen und Merkmalen, erblicken,
möge ich in meinem Herzen den Nektar des sonnengleichen Dharma kosten
und möge mich die sonnengleiche Saṅgha [auf dem Weg] zur Befreiung begleiten –
möge ich niemals vom Licht dieser drei sonnengleichen Allerhöchsten getrennt sein![1]

Um die Wünsche des Praktizierenden Nyima zu erfüllen, wurde dies von Palge, dem bloßen Abglanz eines authentischen Mönchs, verfasst. Möge Tugend im Überfluss vorhanden sein!

| Übersetzung ins Englische: Adam Pearcey. Deutsche Übersetzung: Jurek Schreiner, Rigpa-Übersetzungen 2013 unter Mitarbeit von Karin Behrendt.


  1. Hier bedient sich Patrul Rinpoche eines Wortspiels: Nyima bedeutet Sonne und ist gleichzeitig der Name der Person, die dieses Gebet erbeten hat.  ↩

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