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ISSN 2753-4812
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Leiter nach Akaniṣṭha

Deutsch | བོད་ཡིག

Leiter nach Akaniṣṭha

Eine Erklärung der Entwicklungsphase der Gottheiten-Meditation

von Jigme Lingpa

Verehrung dem Erhabenen, dem glorreichen Vajrasattva!

Das von Natur aus klare, unverschleierte, vollkommen reine Potenzial
ist die Vereinigung von Erscheinung und Leerheit, die illusorische Entfaltung der Weisheit.
Damit diese Ebene der drei Kāyas mühelos erlangt werden möge,
werde ich die Anweisungen für die Meditation des Gottheiten-Yoga erläutern.

Das Potenzial fühlender Wesen ist vorrübergehend verunreinigt, und so durchwandern sie kontinuierlich einen Kreislauf von Verblendungen. Die Entwicklungsphase der Gottheiten-Meditation zeigt auf, dass es sich dabei tatsächlich um Körper, Sprache und Geist der Tathāgatas handelt, den geheimen und unvorstellbaren grundlegenden Raum. Somit gelobe ich, hier eine Abhandlung der Entwicklungsphase darzulegen, die Leiter nach Akaniṣṭha.

Diese Abhandlung ist in drei wesentliche Themen unterteilt: I) Die unfehlbare Ursache: die Grundlage für den Eintritt in die Praxis der Entwicklungsphase, II) Die unverkennbare Bedingung: der Pfad der Meditation und III) Die vollkommen reine Frucht: die Methode zur Erlangung des vereinigten Zustands.

I) Die unfehlbare Ursache: die Grundlage für den Eintritt in die Praxis der Entwicklungsphase

In den Stufen des Pfades heißt es:

Ein Lehrer gleich einer Schatzkammer; einem vollendeten Strom,
zugewandt, gelehrt in Tantra und Aktivität,
mit der Wärme der Kernanweisungen – acht Qualitäten vereinend.

Der erste Schritt ist, einem solchen Vajra-Meister, ausgestattet mit acht Qualitäten, zu folgen und durch die drei Methoden zu erfreuen. Als nächstes wird durch das vollständige Empfangen der Abfolge von Ermächtigungen – der nutzbringenden äußeren Ermächtigungen, der befähigenden inneren Ermächtigungen und der tiefgründigen geheimen Ermächtigungen – der eigene Geistesstrom vollkommen zur Reife gebracht, wobei die Gelübde und Samaya-Versprechen eingehalten werden müssen, um dann mit der Entwicklungsphase der Gottheiten-Meditation beginnen zu können.

Im Glorreichen illusorischen Netz heißt es:

Um die vier Arten der Geburt zu reinigen,
gibt es demgemäß vier Arten der Entwicklung:
die sehr ausführliche und die ausführliche,
die ohne Ausführlichkeit und die ohne jegliche Ausführlichkeit.

1) Die Praxis der Entwicklungsphase ohne jegliche Ausführlichkeit

Diejenigen mit der höchsten Kapazität üben sich in der Praxis der Entwicklungsphase ohne jegliche Ausführlichkeit, angespornt von Bodhicitta, der vorantreibenden Kraft der allumfassenden Sicht des natürlichen und höchsten Fahrzeugs, König aller Yānas. Ohne sich auf Worte zu stützen, visualisieren und vollenden sie die Natur des Geistes in ihrem ursprünglichen Zustand als Form der Gottheit. Diese Praxismethode der Untrennbarkeit von Entwicklungs- und Vollendungsphase ist vergleichbar mit einem Spiegel, in dem das Spiegelbild augenblicklich erscheint. Hierzu heißt es:

Die Gottheit ist man selbst und man selbst ist die Gottheit,
beide entstehen gleichzeitig.
Da Samaya und Weisheit nicht-dual sind,
sind die Einladung und die Bitte zu verweilen nicht notwendig.
Selbst-emaniert und selbst-ermächtigt,
ist Selbst-Gewahrsein die drei Wurzeln.

Diese Form der Praxis der Entwicklungsphase, in der die Natur der Gottheit von Anbeginn in illusorischer Weisheit vollkommen ist, bereinigt die wundersame Geburt. Wie der Allwissende Longchenpa betont:

So wie die wundersame Geburt in einem einzigen Augenblick geschieht,
ist es überflüssig, die Entwicklungs- und Vollendungsphasen vom Namen angefangen schrittweise zu praktizieren.

2) Die Praxis der Entwicklungsphase ohne Ausführlichkeit

Jene mit hoher Kapazität üben sich in der Praxis der Entwicklungsphase ohne Ausführlichkeit basierend auf der Wahrheit der Nicht-Dualität von grundlegendem Raum und Weisheit. Dabei werden beim unmittelbaren Ansatz die Gottheiten nicht durch Worte erzeugt, sondern allein durch das Erinnern ihrer Essenz vervollkommnet. Beim schrittweisen Ansatz manifestieren sich im weiten und leeren grundlegenden Weisheitsraum, der Weite von Samantabhadrī, die Erscheinungen aus sich selbst heraus als Form der Gottheit, und so entsteht ein nicht-dualer, vereinter und illusorischer Körper der Gottheit. Im Tantra des selbst-entstehenden ursprünglichen Gewahrseins heißt es:

Was ist der unmittelbare Ansatz?
Die Gottheiten werden nicht erzeugt, sich ihrer Essenz erinnernd sind sie vervollkommnet.
Was ist der schrittweise Ansatz?
In grundlegenden Raum und Weisheit schrittweise einzutreten.

Die Stütze – der himmlische Palast – und das Gestützte – die Natur der Gottheit – werden entweder durch die Anrufung des jeweiligen Namens oder das bloße Erinnern ihrer Essenz vollständig und vollendet visualisiert. Durch diese Praxis der Entwicklungsphase werden die mit der Geburt aus Hitze und Feuchtigkeit verbundenen Gewohnheitsmuster bereinigt und die Untrennbarkeit von Glückseligkeit und Leerheit erkannt.

3) Die Praxis der mäßig umfangreichen Entwicklungsphase und 4) die Praxis der sehr ausführlichen, sehr umfangreichen Entwicklungsphase

Praktizierende mit konzeptuellen Gedanken üben sich in der sehr ausführlichen und sehr umfangreichen Praxis der Entwicklungsphase, welche die Geburt aus einem Ei bereinigt. Zunächst erhebt sich der ursächliche Heruka als resultierender Vajradhara, woraufhin man im Detail über eigene Kinder und Kind anderer meditiert. Die Kagye-Lehren beschreiben fünf Schritte, die damit verbunden sind, wenn man andere zum eigenen Kind macht: 1) Durch das Aussenden und Wiederaufnehmen aus der ursächlichen Keimsilbe werden die Vater- und Muttergottheit erzeugt. 2) Die Buddhas der zehn Richtungen werden eingeladen und lösen sich in den Raum hinein auf. 3) Fühlende Wesen werden herbeigerufen und ihre Verschleierungen gereinigt. 4) Die Großartigkeit der Nicht-Dualität wird verkündet. 5) Die Gottheiten werden aus dem Raum hervorgerufen und im Maṇḍala platziert.

Der Prozess, durch den man sich selbst zum Kind anderer macht, umfasst acht Schritte: 1) Die Vater- und Muttergottheit lösen sich auf und verwandeln sich in die ursächliche Keimsilbe. 2) Aus ihr heraus werden die männliche und weibliche Gottheit erzeugt. 3) Aus der Verwirklichung der männlichen Gottheit entstehen Silben. 4) Von der weiblichen Gottheit strahlt Licht aus und ruft die Gottheiten an. 5) Das gesamte Maṇḍala löst sich in einen selbst als männliche und weibliche Gottheit auf, wodurch der Stolz der Weisheitswesen erzeugt wird. 6) Die männliche und weibliche Gottheit verweilen in Vereinigung und das Maṇḍala wird im Raum hervorgebracht. 7) Die eigenen zweiundvierzig Konzepte wandeln sich zu Gottheiten und werden nach außen getragen und 8) die Weisheitswesen werden eingeladen, versiegelt und so weiter.

Hierzu heißt es gemäß dem Großen illusorischen Netz, dass man als erstes die Zufluchtnahme und Bodhicitta praktiziert, woraufhin man sich, so wie man bei der Geburt aus einem Ei zweifach geboren wird, augenblicklich als Vater- und Muttergottheit visualisiert und im Himmel vor sich das Maṇḍala einlädt, das als Meditationsobjekt dient. Nachdem man Opfergaben, Lobpreisungen, Bittgebete, tägliche Bekenntnisse und so weiter dargebracht hat, verweilt man mit „Vajra Mu" erneut ausgeglichen in Leerheit.

Erlangt man Gewissheit über dieses charakteristische Merkmal, kann dies genauso auch auf die mäßig ausführliche Entwicklungsphase, die die Geburt aus einer Gebärmutter reinigt, angewandt werden. Innerhalb beider Ansätze gelten die geschickten Mittel als wichtigster Aspekt der Entwicklungsphase. So wie es zwei unterschiedliche Methoden gibt, einen verrückten, von Wein berauschten Elefanten zu besänftigen – entweder durch Ornamente oder eine Menschenmenge – so reinigt man die äußere Welt, die Stütze, durch den himmlischen Palast und das Anhaften an den Körper, das Gestützte, durch die Form der Gottheit, die beide jeweils auf verschiedenen Gewohnheitsmustern basieren.

Die Methode, um den zu äußeren Objekten hin abwandernden Geist zu setzen, ist das Anbinden durch den tiefgründigen Samādhi. Ist der Geist auf diesem Weg gefestigt, ist eine Verbindung mit der Essenz von Reinigung, Vervollkommnung und Reifung möglich. Da Existenz ein Ausdruck von Saṃsāra ist, wird sie bereinigt und geklärt, und da das Resultat mit der Natur von Nirvāṇa übereinstimmt, wird das Resultat im Grund vervollkommnet. Beide dienen der Heranreifung hin zur Vollendungsphase. Diese allgemeine Bedeutung ist von entscheidender Wichtigkeit.

Die Praxis wird zunächst durch die Pforte der drei Samādhis betreten. Das erste ist der Samādhi der Soheit, dessen Essenz wie folgt beschrieben wird: Der Geist, der weder eine stützende Basis noch Wurzel besitzt, der er entsprießt, fällt nicht in das Extrem, ein materielles Ding zu sein. Er ist nicht männlich, nicht weiblich und nicht neutral. Er hat keine Farbe, Gestalt oder Form. Gleichzeitig ist er nicht Nichts, sondern von strahlender Natur. Indem man sich die Weisheit der Wirklichkeit, wie sie ist, in Erinnerung ruft, wird der Zustand des Sterbens in den Dharmakāya gereinigt, ebenso der Glaube an die Dauerhaftigkeit und der formlose Bereich. Dies ist der sogenannte Samādhi der Soheit.

Die Eigenstrahlung der großen, leeren Lichtheit ist das unvoreingenommene und vereinigte Mitgefühl gegenüber allen fühlenden Wesen, das vollständig von nihilistischen Anschauungen sowie vom Formbereich befreit. Das unvorstellbare Ausdruckspotenzial der zunehmenden Weisheit legt den Grundstein für die Vervollkommnung des Zwischenzustands in den Saṃbhogakāya. Dies wird als der Samādhi der allumfassenden Erscheinung bezeichnet.

Hieraus erscheint das Gewahrsein selbst in Form einer Silbe, wie Āḥ, Hūṃ oder Hrīḥ. Dies wird als ursächliche Methode oder Wurzel-Methode bezeichnet, die das mit Begierde behaftete Bewusstsein, das im Begriff ist, in eine neue Geburtsstätte einzutreten, sowie den Bereich der Begierde bereinigt und darüber hinaus das Heranreifen zur Form der Gottheit, die Geburt als Nirmāṇakāya, bewirkt. Dies ist der ursächliche Samādhi.

Nachdem durch diese drei Arten von Samādhi der Rahmen für die Praxis der Entwicklungsphase geschaffen wurde, folgt als Nächstes die Vorgehensweise für das Entwickeln der Stütze und des Gestützten. Diese ist in der großen Sammlung der Nyingma-Tantras, beispielsweise in der Glorreichen geheimen Essenz, zu finden, wo die drei Aspekte von Entwicklung und Vollendung behandelt werden. Hier wird unter anderem beschrieben, wie die ursächliche oder Wurzelmethode zur grundlegenden Methode führt, in welcher wir den himmlischen Palast und den Thron klar visualisieren. Von dort gelangen wir zur Beschreibung der unvorstellbaren Methode der Meditation über das gesamte gestützte Maṇḍala. Des Weiteren herrscht Übereinstimmung dahingehend, dass man über die Stütze, die Aspekte des himmlischen Palastes im grenzenlosen Raum, meditiert, um die unreine Natur der eigenen gewöhnlichen Umgebung als Akaniṣṭha zu segnen. Das Prinzip, das die Verbindung zwischen Grund, Pfad und Frucht sowie Reinheit herstellt, sind die siebenunddreißig Faktoren der Erleuchtung. Die Natur dessen wird im neunten Kapitel des Großen Wagens gelehrt.

Im gegenwärtigen Kontext werde ich hauptsächlich die Phase der Entwicklung der gestützten Gottheit beschreiben, wobei die Art und Weise des Entstehens des Vajra-Körpers und des zu reinigenden Objekts mit der Entwicklungsphase verbunden wird, in der die Reinigung geschieht. Im Heruka-Galpo-Tantra heißt es:

Zuerst Leerheit und Bodhicitta,
zweitens die sich erhebende Keimsilbe,
drittens die vollendete Form,
viertens das Platzieren der Silbe.

Tod und Bardo werden durch Leerheit und Bodhicitta gereinigt. Das körperlose Bewusstsein, das im Begriff ist eine neue Geburt anzunehmen und inmitten Samen und Eizelle einzutreten, wird durch das Schmelzen der Keimsilbe gereinigt. Durch die zehn Winde entsteht der Körper Schritt für Schritt, was durch die vollendete Form gereinigt wird. Nach der Geburt erwachen die Sinne zu ihren Objekten, was durch das Platzieren der Silbe gereinigt wird und so weiter. Diese Erklärung bezieht sich auf die Symbole der vier Manifestationen des Erwachens.

Hinsichtlich des graduellen Prozesses gibt es, in Übereinstimmung mit der allgemeinen Sicht der Sammlung der Tantras, die Entwicklung mittels des Rituals der drei Vajras gemäß den Vater-Tantras und die Entwicklung mittels der fünf Manifestationen des Erwachens gemäß den Mutter-Tantras. In beiden Traditionen wird erklärt, dass das zu reinigende Objekt mit der Reinheit des Reinigungsprozesses verbunden ist.

Das Ritual der drei Vajras

Durch die klare Visualisierung der Form der Handattribute, wie die des fünfspeichigen Vajras (die Reinigungsmethode) wird der Geist (das zu reinigende Objekt) zum Vajra-Geist. Indem die einzelnen Elemente dieser Handattribute in der Meditation verwandelt und mit einer Silbe wie beispielsweise Hūṃ versehen werden (die Reinigungsmethode), wird die Sprache (das zu reinigende Objekt), zur Vajra-Sprache. Die Meditation über das Ausstrahlen und Wiederaufnehmen von Licht, das den zweifachen Nutzen sowie die vollendete Wandlung zur Form der Gottheit vollbringt, die vollständig mit allen Ornamenten und Gewändern ausgestattet ist (die Reinigungsmethode), führt dazu, dass der Körper (das zu reinigende Objekt) zum Vajra-Körper heranreift. Dies ist das Ritual der drei Vajras.

Bringt man dies mit der Geburt aus einer Gebärmutter in Verbindung, reinigt das erste Ritual den Eintritt des Zwischenzustands-Bewusstseins in die verschmolzenen weißen und roten Elemente im Mutterleib. Das zweite Ritual reinigt die leidvolle Erfahrung der fünf Entwicklungsphasen in der Gebärmutter, des eiförmigen Fötus und so weiter, die nach dem Vermischen von Samen, Eizelle und Bewusstsein auftreten. Beim dritten Ritual wird die Geburt bereinigt, die eintritt, sobald die zerstreuten Elemente gesammelt und Körper und Sinne vollständig ausgebildet sind.

Ist das Resultat erlangt, manifestieren sich die Tathāgatas als Nirmāṇakāya, um fühlende Wesen zu zähmen, und schaffen glückverheißende Umstände, indem sie erleuchtete Handlungen wie das Eintreten in den Schoß der Vajra-Königin, das Geborenwerden und so weiter demonstrieren.

Die fünf Manifestationen des Erwachens

In dieser Erklärung werde ich die fünf äußeren Manifestationen des Erwachens gemäß dem Yoga-Tantra und die fünf inneren Manifestationen des Erwachens gemäß dem Mahāyoga miteinander verbinden, ausgehend davon, dass das Resultat von Natur aus in der Ursache vorhanden ist. Im Tantra des klaren Raums heißt es:

Die Empfängnis ist mit den fünf Aspekten des Erwachens verbunden,
die zehn Monate mit dem Verlauf der zehn Bhūmis,
die Geburt mit dem natürlichen Nirmāṇakāya –
Verkörperung der drei unmittelbar präsenten Kāyas.

So ist der Zeitraum vom Zwischenzustand bis zum Suchen nach einem physischen Körper mit dem Pfad der Ansammlung verbunden. Das tatsächliche Annehmen einer physischen Form im Mutterleib entspricht dem Pfad des Verbindens. Der Zeitraum vom Moment der Empfängnis an bezieht sich auf die Abfolge der fünf Faktoren in Bezug auf die Verwirklichung der Pfade des Sehens und der Meditation. Die Essenz der zehn Monate wird sinnbildlich durch die zehn Stufen verkörpert, die schließlich zur Verwirklichung des natürlichen Nirmāṇakāya führen, zum Zustand der vollendeten Vereinigung jenseits des Lernens.

Den Phasen der vier Arten der Geburt entsprechend wird der Prozess der Reinigung, Vollendung und Reifung wie folgt dargestellt: Die erste Manifestation des Erwachens ist die Visualisierung der Mondscheibe. Diese reinigt und klärt die zu reinigenden Objekte, wie das Aggregat der Form, das Element des Raumes, den Körper und das Allgrund-Bewusstsein, den Kleśa der Unwissenheit, das männliche Element; Sperma, das mit der Geburt aus einer Gebärmutter verbunden ist, die Feuchtigkeit, die mit der Geburt aus Hitze und Feuchtigkeit verbunden ist, den männlichen Aspekt bei der Geburt aus einem Ei, den leeren Aspekt der wundersamen Geburt und so weiter. Während der Vollendungsphase steigen die sechzehn Arten der Freude herab, und im Rahmen der ersten Weisheit, die als geschickte Mittel erscheint, wird der Geist als Essenz unterscheidender Erkenntnis vervollkommnet. Diese Aspekte werden zum Pfad, indem man sie in der Meditation in eine Mondscheibe verwandelt. Beim Erlangen der Frucht reifen die zweiunddreißig vortrefflichen Merkmale heran und man erlangt vollständiges Erwachen als spiegelgleiche Weisheit.

Die zweite Manifestation des Erwachens ist die Visualisierung der Sonnenscheibe. Diese reinigt und klärt die zu reinigenden Objekte wie das Aggregat der Empfindung, das Erd-Element, den von leidvollen Emotionen geplagten Geist, Geiz, Stolz unter den Kleśas, das rote weibliche Element (die Eizelle) bei der Geburt aus einer Gebärmutter, den weiblichen Aspekt bei der Geburt aus einem Ei, die Hitze bei der Geburt aus Hitze und Feuchtigkeit und den Klarheitsaspekt der wundersamen Geburt. Während der Vollendungsphase steigt die Essenz von gleichzeitig entstehender Glückseligkeit und Leerheit des vollständig gereinigten Spermas und der vollständig gereinigten Eizelle von unten nach oben. Im Rahmen der zweiten Weisheit, welche sich als Weisheit manifestiert, erscheinen die zwanzig Elemente (die sich aus den fünf Aggregaten, Form und so weiter ergeben, die jeweils in die vier Grundelemente unterteilt werden) als zwanzig Arten der Leerheit (diese ergeben sich aus den fünf Weisheiten, die Weisheit des Bereichs der Phänomene und so weiter, die jeweils in die vier Unermesslichen unterteilt werden) und werden zu Bodhicitta vervollkommnet. Diese Aspekte nehmen als Pfad Form an, indem man über sie als Sonnenscheibe meditiert. Zum Zeitpunkt des Erlangens der Frucht reifen die achtzig vortrefflichen Nebenmerkmale und man erlangt vollständiges Erwachen als Weisheit der Gleichheit.

Die dritte Manifestation des Erwachens ist die Visualisierung der Wurzelsilbe und der Handattribute. Dies reinigt und klärt das Eintreten des Bardo-Bewusstseins – ein körperloses Bewusstsein namens Geruch-Esser, das im Begriff ist, eine neue Geburt anzunehmen – zwischen Samen und Ei, das Aggregat der Wahrnehmung, das Feuer-Element, die Sprache, das geistige Bewusstsein, den Kleśa der Begierde, und das in die vier Arten der Geburt eintretende Bardo-Bewusstsein. Während der Vollendungsphase werden Samen und Eizelle in umgekehrter Reihenfolge gereinigt, woraufhin karmische Winde und die täglichen Zyklen aufhören. Dadurch werden sie im Rahmen der dritten Weisheit zur Vajra-Stabilität vervollkommnet. Diese Aspekte nehmen als Pfad Form an, indem man sie in der Meditation in Wurzelsilbe und Handattribute verwandelt. Zum Zeitpunkt des Erlangens der Frucht reift die Erkenntnis der unverfälschten Natur aller Phänomene natürlich heran und man erlangt vollständiges Erwachen als unterscheidende Weisheit.

Die vierte Manifestation des Erwachens ist die Visualisierung der Verschmelzung von Keimsilbe und Handattributen. Dies reinigt und klärt die zu einem Geschmack verschmolzenen Samen, Blut und Bewusstsein, das Aggregat der geistigen Gestaltungskräfte, das Wind-Element, die fünf Arten von Sinnesbewusstsein, den Kleśa des Neids, im Kontext des Eintritts in die vier Arten von Geburt die Vermischung des Bardo-Bewusstseins mit Samen und Eizelle bei der Geburt aus einer Gebärmutter und aus einem Ei, die Vermischung von Bewusstsein, Hitze und Feuchtigkeit bei der Geburt aus Hitze und Feuchtigkeit und die Vermischung der bloßen leeren Klarheit mit dem Bardo-Bewusstsein bei der wundersamen Geburt. Während der Vollendungsphase werden die vollständig gereinigten Funktionen von Samen, Eizelle und Winden zur Essenz des ursächlichen Vajradhara und der vierten Weisheit vervollkommnet – die Weisheit aller erkennbaren Dinge, die alle Wissensgebiete durchdringt, die Vajra-Natur selbst. Dies nimmt als Pfad Form an, indem man die Essenz dieser Vermischung in der Meditation in einen Tropfen oder eine Kugel aus Licht transformiert. Beim Erlangen der Frucht reift die Essenz der in einem einzigen Geschmack vereinten Aktivitäten aller Buddhas heran und führt zum vollständigen Erwachen als alles vollendende Weisheit.

Die fünfte Manifestation des Erwachens ist die daraus hervorgehende vollendete Form. Die Geburt, die die Vollendung der Schwangerschaft ist, das Aggregat des Bewusstseins, das Wasser-Element, das geistige Bewusstsein, der Aspekt des Greifens nach der realen Existenz des achtfachen Bewusstseins, der Kleśa des Hasses und der Zustand, in dem die Āyatanas des durch eine der vier Arten von Geburt angenommenen Körpers vollständig entwickelt sind, werden alle in den natürlichen Nirmāṇakāya gereinigt. Die Heranreifung zur Vollendungsphase findet statt, indem die gänzlich reine Essenz von Samen, Eizelle, Winden und Geist als resultierender Vajra-Halter und fünfte Weisheit im eigenen Wesen vervollkommnet werden. Die fünfte Weisheit ist die Verkörperung der Tathāgatas, das Resultat der vollständigen Befreiung, die natürliche Weisheit der Buddhas, die die wahre Natur der Wirklichkeit erkennt. Dies nimmt als Pfad Form an, indem man über die vollendete Form der Gottheit, mit all ihren Ornamenten und Gewändern, meditiert. Beim Erlangen der Frucht reift dies zur von allen Verschleierungen befreiten, untrennbaren Natur des Weisheitsraumes heran und führt zum vollkommenen Erwachen als Weisheit des Dharmadhātu. In einem Tantra heißt es:

Der Mond ist spiegelgleiche Weisheit,
die sieben der sieben[1] die der Gleichheit,
Keimsilbe und Attribute der eigenen Gottheit
beschrieben als unterscheidende Weisheit.
Wenn alles zu einem wird, ist es Beharrlichkeit,
der reine Dharmadhātu, Vollkommenheit.

In Verbindung mit den Phasen der vier Arten der Geburt gibt es vier Methoden die Entwicklungsphase zu praktizieren, welche entsprechend den eigenen vorherrschenden Gewohnheitsmustern und dem Grad der Vertrautheit mit der Praxis angewendet werden müssen. Der Höchste unter den Siegreichen, Longchenpa, sagte:

Obwohl es vier Methoden der Meditation gibt, sollte man hauptsächlich entsprechend der vorherrschenden Geburt praktizieren. Um Gewohnheitsmuster zu reinigen, meditiere unter Anwendung aller Methoden. Anfänger sollten sich insbesondere auf die Meditation konzentrieren, die mit der Geburt aus einem Ei verbunden ist. Jene mit etwas Stabilität sollten die Meditation verbunden mit der Geburt aus einer Gebärmutter anwenden, während jene mit größerer Stabilität der Meditation verbunden mit der Geburt aus Hitze und Feuchtigkeit folgen sollten. Jene mit tiefer Vertrautheit und vollkommener Stabilität sollten die vollständige Visualisierung augenblicklich erzeugen, in Übereinstimmung mit wundersamer Geburt.

II) Die unverkennbare Bedingung: der Pfad der Meditation

Dieser Abschnitt besteht aus zwei Teilen: A) Eine ausführliche Erklärung darüber, wie man sich auf dem Pfad entsprechend der verschiedenen Kapazitätsstufen von Grund auf übt, und B) Eine Übersicht, wie das Resultat des Pfades im Rahmen der vier Zweige von Annäherung und Errungenschaft mit den Ebenen der vier Vidyādharas verknüpft wird.

A) Eine ausführliche Erklärung, wie man sich auf dem Pfad entsprechend der verschiedenen Kapazitätsstufen von Grund auf übt

Im ersten Teil gibt es sieben Abschnitte: 1) Den Geist auf die Gottheit ausrichten, 2) Fehler der Instabilität korrigieren, 3) Sich von der Gottheit trennen, 4) Wie man die Gottheit zum Pfad macht, 5) Die Gottheit mit dem eigenen Geist verschmelzen, 6) Die Gottheit mit der Wirklichkeit verbinden und 7) Erfahrungen auf den Pfad bringen.

1) Den Geist auf die Gottheit ausrichten

Personen mit großem geistigem Vermögen sollten von Anfang an die Erscheinung der Gottheit mit allen Ornamenten und Attributen vollständig, eindeutig und klar visualisieren. Die Natur dieser Visualisierung ist jenseits jeglicher Identifikation, sie ist die untrennbare Einheit von Entwicklungs- und Vollendungsphase, die große Weisheitsform. Obwohl ihre Form klar erscheint, ist sie ihrem Wesen nach leer, und da ihre wahre Natur leer ist, sind die Merkmale der Gottheit, bis hin zum Schwarz und Weiß der Augen, die untrennbare Einheit von Klarheit und Leerheit, wie ein Mond, der sich im Wasser spiegelt. Übe dich ohne jegliches Anhaften oder Festhalten an der Entwicklungsphase.

Diejenigen mit mittlerer Kapazität sollten zunächst einmal die vollständige Form der Gottheit klar visualisieren. Richte dich anschließend darauf aus, den Kopf klar zu visualisieren, und sobald dies stabil ist, fokussiere dich nach und nach auf die rechte Hand, die linke Hand, den Oberkörper, den rechten Fuß, den linken Fuß und schließlich auf den vollständigen Körper und den Sitz. Durch das Üben in den klaren, illusionsgleichen Formen der Entwicklungsphase wird verhindert, dass man nihilistischen Ansichten anheimfällt. Bei Ermüdung sollte man sich in der Essenz des Vajra-gleichen Samādhi üben, die Erinnerung vollständiger Reinheit. Dies ist der entscheidende Punkt, um nicht in eternalistische Sichtweisen zu verfallen.

Anfänger mit geringerer Kapazität, denen solche Visualisierungen zunächst schwerfallen, sollten mit einer festen Form der Gottheit üben, um sich so mit ihr vertraut zu machen. Stelle dafür zum Beispiel ein gesegnetes Bild oder eine Statue der Yidam-Gottheit vor dir auf, die von einem erfahrenen Künstler mit allen Aspekten geschaffen wurden. Um den sogenannten „Zweig der in Bewegung gesetzten Achtsamkeit" zu praktizieren, richte deinen Blick stetig und ohne zu blinzeln auf die Form der Gottheit, von Kopf bis Fuß, ohne vorsätzlich zu meditieren. Zu Anfang tauchen viele aufwühlende konzeptuelle Gedanken auf, was die „Erfahrung von Bewegung, gleich Wasser, das einen steilen Hang hinabstürzt" genannt wird.

Nach einer gewissen Zeit prägen sich uns die Merkmale der Gottheit mehr und mehr ein, was zur Folge hat, dass ihre Form selbst mit geschlossenen Augen strahlend und klar als Objekt in unserem Geist erscheint. Dies wird „Erfahrung des Erlangens" genannt. Sie wird mit einem Dieb verglichen, der etwas stiehlt, das noch in einem Gefäß verborgen ist – genauso wissen wir noch nicht direkt um die wahre Natur der Gottheit, wie sie wirklich ist. Wenn wir so visualisieren, versiegeln wir unsere Anhaftung an gewöhnliche Erscheinungen. Die Visualisierung sollte nicht flach und glatt wie ein Gemälde oder uneben und kantig wie ein Relief sein, sondern eher wie eine magische Form, eine leere Erscheinung, frei von jeglicher Körperlichkeit, wie Fleisch, Knochen und inneren Organen – gleich einer makellosen Kristallvase oder einem Regenbogen, vollständig durchscheinend, brillant und strahlend, ähnlich einer Reflexion in einem Spiegel. Übe dich anhand dieser Beispiele. Zu Beginn sollte man das Objekt, das als Stütze für unsere Visualisierung dient, lange betrachten und nur für kurze Zeit meditieren. Wenn die Visualisierung etwas klarer wird, widmet man Stück für Stück weniger Zeit der Betrachtung des Objekts und mehr Zeit der Meditation.

2) Fehler der Instabilität korrigieren

Zu diesem Zeitpunkt können sieben allgemeine Fehler auftreten: 1) das Vergessen des Meditationsobjekts, 2) Faulheit, 3) Zweifel am Erfolg, 4) Trägheit, 5) Unruhe, 6) sich aus Unzufriedenheit anstrengen, obwohl die Gottheit klar erscheint und 7) sich aus Gleichgültigkeit nicht anstrengen, obwohl die Visualisierung unklar ist. Zusätzlich gibt es zwölf Fehler der Instabilität: 1) ein verschwommener oder unklarer Blick, 2) Unschärfe, 3) Schemenhaftigkeit oder Dunkelheit, 4) Instabilität oder Veränderung der Größe der Gottheit, 5) Instabilität der Merkmale, 6) Instabilität der Gestalt, 7) Instabilität der Anzahl, 8) Instabilität der Haltung, 9) alleinige Erscheinung der Farbe, 10) alleinige Erscheinung der Form, 11) fortschreitendes Verblassen und 12) unvollständiges Erscheinen.

Die Gegenmittel, die diesen Fehlern entgegenwirken, lauten wie folgt: Die Stabilisierung der Achtsamkeit hilft gegen das Vergessen, Vertrauen und Fleiß helfen gegen Faulheit. Das Fokussieren auf den weiten Raum schafft Abhilfe bei Zweifeln. Fühlt man sich träge, dienen Kühle und Frische als Unterstützung, während es bei Unruhe hilfreich ist, ein Gefühl der Ernüchterung zu verspüren und den Blick nach unten zu richten. Das Gegenmittel bei Überanstrengung ist, den Geist zu entspannen, und das Gegenmittel bei unzureichender Anstrengung ist Eifer. Wenn deine Visualisierung verschwommen, unklar oder schemenhaft ist, bedecke deine Augen beispielsweise mit einem regenbogenfarbenen Kristall und betrachte so die Stütze deiner Visualisierung und untersuche ihre Gestalt. Kultiviere sie dann in deinem Geist.

Wenn die Körpergröße der Gottheit, ihre Merkmale, Haltung oder Gestalt in deiner Visualisierung instabil sind, kannst du dir in deiner Meditation vorstellen, dass die Gestalt der Gottheit solide und eindrucksvoll groß ist und sich auf ihren Armen, Beinen, Fingern und Zehen Rehe tummeln und Tauben in ihre Nasenlöcher hinein und wieder heraus fliegen und so weiter. In der Meditation über friedvolle Gottheiten lassen sich diese Fehler durch die Visualisierung ihrer mit neun Qualitäten ausgestatteten Natur beseitigen, die im Tantra des gewaltigen Weisheits-Blitzes beschrieben werden:

Ein jeder ihrer ausgezeichneten Körper
besitzt neun Qualitäten:
weich, wohlgeformt, straff,
geschmeidig, jugendlich,
klar, glänzend, attraktiv
und mit überwältigender Präsenz erstrahlend.

Visualisiere die zornvollen Gottheiten mit den neun Ausdrucksformen des Tanzes, wie im Heruka Galpo Tantra angegeben:

Betörend, heroisch, schrecklich,
bedrohlich lachend, zornig, angsteinflößend,
mitfühlend, beeindruckend und friedfertig –
diese neun Ausdrucksformen des Tanzes werden vollführt.

Im Kontext der Instabilität der Anzahl heißt es im Guru des illusorischen Netzes:

Selbst die vielen ausgesendeten und wiederaufgenommenen Gottheitenscharen
sind die große illusorische Entfaltung des eigenen Geistes.

Übe dich also, indem du dir in Erinnerung rufst, dass die Natur der Formen des sich manifestierenden Gefolges nichts anderes als die illusorische Entfaltung der einen Hauptgottheit ist.

Wenn in deiner Visualisierung nur Farben erscheinen, konzentriere dich auf das klare Visualisieren der Form, und wenn nur die Form erscheint, arbeite die verschiedenen Farben heraus. Bei fortschreitendem Verblassen der Visualisierung meditiere über das Gesicht und die Hände als äußerst solide. Ist die Visualisierung unvollständig, konzentriere dich bewusst darauf, die fehlenden Aspekte zu visualisieren.

3) Sich von der Gottheit trennen

In Abwechslung mit der Visualisierung findet statt, was „sich von der Gottheit trennen" genannt wird. Hierbei wechselt man zwischen dem Ruhen in nicht-konzeptueller Meditation und dem Visualisieren der Gottheit ab, um sich auszuruhen und neue Energie zu schöpfen. Im Anschluss visualisiert man die Gottheit erneut fehlerfrei und konzentriert sich ausschließlich auf die Gottheit, die nicht-konzeptuelle Meditation beiseitelassend.

4) Wie man die Gottheit zum Pfad macht

Nachdem wir uns auf diese Weise geübt haben, geht es als nächstes um die Methode, wie man die Gottheit zum Pfad macht oder auf dem Pfad kultiviert. Visualisiere hierfür die Gottheit aufrechtstehend, sitzend, liegend, auf dem Kopf stehend, auf dem Rücken liegend mit dem Gesicht nach oben, auf dem Bauch liegend mit dem Gesicht nach unten, weit entfernt, in der Nähe, im Inneren eines Berges, am Grund des Ozeans, so groß wie der Berg Meru, so klein wie ein Atom. Ist man in der Lage, so zu meditieren, wird dies „die Erfahrung der Vertrautheit, gleich einem dahinströmenden Fluss" genannt. Auf diese Weise ist die Gottheit zum Pfad geworden.

5) Die Gottheit mit dem eigenen Geist verschmelzen

Der fünfte Punkt ist das sogenannte „Verschmelzen mit der Gottheit". Um das dualistische Greifen nach dem Meditierenden und dem Meditationsobjekt aufzugeben, übt man sich darin, die Form der Gottheit untrennbar mit dem eigenen Geist verschmelzen zu lassen. Gelingt es, solange man möchte und ohne von Gedanken unterbrochen zu werden, mit der vollkommen vollendeten Form der Gottheit zu verweilen, wird dies „die Erfahrung der Stabilität, gleich dem Berg Meru" genannt.

Darüber hinaus perfektioniert man die eigene Fertigkeit und erlangt Meisterschaft, indem man das jeweilige Maṇḍala Tag und Nacht aufrechterhält, während man jedes Detail, von den Poren des Körpers bis hin zum Weiß und Schwarz der Augen, klar visualisiert, ohne von jeglichen äußeren Objekten oder Bedingungen beeinflusst zu werden. Hat man die eigene Fähigkeit dementsprechend voll entwickelt, ist von vier Graden der Klarheit die Rede: klar, leuchtend, strahlend und lebendig. Weiter gibt es vier Grade der Stabilität: unbeweglich, unveränderlich, vollständig unveränderlich und nach Belieben wandelbar. Das Erlangen dieser acht Grade von Klarheit und Stabilität wird „die Erfahrung der Vollkommenheit" genannt, bei der die Erscheinungen mit dem Maṇḍala der Gottheit verschmelzen.

6) Die Gottheit mit der Wirklichkeit verbinden

Bloßes Verschmelzen allein ist allerdings nicht ausreichend. Um sich mit der letztendlichen Bedeutung der Gottheit zu verbinden, erscheint der eigene Geist mit seinen acht Arten von Bewusstsein als Körper und Weisheit der Gottheit. Weiter ist das Gewahrsein des erleuchteten Zustands das Resultat der Form der Gottheit. Wird die Praxis der untrennbaren Entwicklungs- und Vollendungsphasen, die mannigfaltige Aspekte zu einem einzigen Geschmack heranreift, nicht als große Weisheitsform angesehen, schafft das Praktizieren der Entwicklungsphase lediglich die karmischen Eindrücke, die zu nichts anderem als zum Dasein eines Rudra oder Dämon führt, und dazu, dass dem Pfad vollständiger Erleuchtung der Rücken gekehrt wird. Aus diesem Grund wird das sogenannte Mengak der vier Nägel, die die Lebenskraft binden, als von essenzieller Bedeutung beschrieben. Das 39. Kapitel des Tantra des vollendeten Geheimnisses besagt:

Weisheit und auch Weltliches
sind ohne das Setzen der vier Nägel, die die Lebenskraft binden,
gänzlich nutzlos, wie das grundlose Dehnen der Beine.
Die Methode, die Lebenskraft der vollkommen Glorreichen zu erlangen,
besteht darin, eines zu verstehen und somit die Lebenskraft von allem zu gewinnen.
So wie Rāhula
nur die eine Sonne am Himmel verschlang,
und ohne nach den sich in tausenden Gewässern spiegelnden Sonnen zu greifen,
trotzdem die tausendfache Lebenskraft erlangte.
Daher sind die vier Nägel, die die Lebenskraft binden, wesentlich.

Beim Nagel der Konzentration meditiert man mit einsgerichtetem Fokus auf die Form der Gottheit. Hierbei kann man ein Objekt als Stütze für die Visualisierung verwenden. So wird die starke Anhaftung an unseren gewöhnlichen Körper in die Form der Gottheit vervollkommnet. Wie es in einem Tantra heißt:

Fokussiere dich beim Nagel der Konzentration
einsgerichtet und unabgelenkt auf eine Schädelschale.
Meistere die drei Objekte
und begegne dem großen glorreichen Heruka leibhaftig.
Auf anderem Wege wird der Heruka nicht erfahren.
Ohne den Nagel unablässiger Konzentration
werden die erleuchteten Formen niemals gesehen werden.

Im Folgenden wird der Weg zur Meisterung der drei Objekte aufgezeigt. Das Objekt ist zunächst klar im Geist, dann ein klar sichtbares Objekt und zuletzt ein klar berührbares Objekt. An diesem Punkt reift der Geist zur Form der Gottheit heran und so trifft man auf die Gottheit. Dies wird das „Meistern der Visualisierung" genannt. Im Ratschlag des großen Glorreichen heißt es:

Alle Formen der Weisheitsgottheiten
werden zunächst klar als Objekt im Geist visualisiert.
Die Stärke ihrer tatsächlichen Erscheinung nimmt zu,
und durch die vollständige Reinigung des Geistes selbst
erscheinen sie den Sinnen als Objekt.
Schließlich, von den zwei Ebenen der Realität untrennbar,
Körper und Geist vollständig gereinigt,
erscheint die Gottheit unmittelbar als physisches Objekt.
Sind die drei Objekte gemeistert,
werden die manifesten Erscheinungen des unreinen Körpers bezwungen.

Beim Nagel des Essenz-Mantra konzentrieren wir uns einsgerichtet auf die Wurzelsilbe in unserem Herzen, die spirituelle Lebenskraft, und das sie umkreisende oder einer Sänfte gleich hin- und herkreisende Wurzelmantra. Durch das Rezitieren des Mantra werden Ausatmen, Einatmen und Halten des Atems zu ihrer Essenz, erleuchteter Sprache, gereinigt. So heißt es in einem Tantra:

Beim Nagel des Essenz-Mantra
rezitiere die Mantras der Versammlung fehlerlos.
Visualisiere das Wurzelmantra um die Wurzelsilbe Hūṃ kreisend,
und das Ausstrahlen und Wiederaufnehmen. Zähle das Mantra der Lebenskraft,
und Pracht, Wohlstand und Weissagungen werden sich offenbaren.
Das Potential wird vervollkommnet, und die Gottheiten versammeln sich.
Ohne den Nagel der Vollendung der Rezitation des Essenz-Mantra der Gottheit
ist es unmöglich, Gottheiten und eidgebundene Beschützer herbeizurufen.

Der Nagel des unveränderlichen Weisheitsgeistes besteht in der Erkenntnis, dass gleich welche unter den friedvollen und zornvollen Gottheiten man praktiziert, wie zum Beispiel den Großen Glorreichen, sie vom eigenen Geist untrennbar sind. Dadurch reifen die Gottheit und die Realität zur großen Gleichheit eines Geschmacks heran. Wie es in einem Tantra heißt:

Der Nagel des unveränderlichen Weisheitsgeistes besagt,
dass der Große Glorreiche und die Gesamtheit der friedvollen und zornvollen Gottheiten
nichts anderes sind als der eigene Geist
und nicht einmal die Rudras sind vom eigenen Geist getrennt.
Der Geist selbst, leer, ist der Dharmakāya,
klar und unverwechselbar ist er der Sambhogakāya,
mannigfaltig und von selbst erscheinend ist er der Nirmāṇakāya.
Erscheinungen sind die Vatergottheit, Leerheit ist die Muttergottheit.
Die untrennbare Einheit von Erscheinung und Leerheit ist die Weisheitsform.
Auch die zahllosen Erinnerungen und Gedanken
sind vollendet, die Gefolgschaft des Glorreichen,
unvorstellbar, von Anbeginn erleuchtet,
in ihrer eigenen Natur standfest.
Ohne den Nagel des unveränderlichen Weisheitsgeistes
wird man, selbst wenn man den Großen Glorreichen verwirklicht, nur Gewöhnliches,
nicht aber das Höchste erreichen und zur Ebene von Rudra abirren.

Der Nagel von Aussenden und Wiederaufnehmen bezieht sich auf die große illusorische Entfaltung, durch die die vier Arten erleuchteter Aktivität gemeistert werden. Seine Bedeutung ist vergleichbar mit der von weißem Borax in der Alchemie. Ein Tantra erklärt:

Beim Nagel von Aussenden und Wiederaufnehmen transformiert man
mittels der Visualisierung. Mit diesem Wissen erfüllt man jeden Wunsch.
Durch Aussenden und Wiederaufnehmen in der Meditation
wird das Potenzial des Geistes vervollkommnet.
Was auch immer man sich vorstellt, erscheint dementsprechend.
Durch die Kraft und den Segen von Mantra und Mudrā
werden befriedende, bereichernde, anziehende und unterwerfende Aktivitäten,
sämtliche nützlichen oder schädlichen Handlungen vollbracht.
So wie unsere Darbringungen und Wünsche
an ein einziges wunscherfüllendes Juwel
uns einen jeden Wunsch exakt erfüllen.
Ohne den Nagel des mannigfaltigen Aussendens und Wiederaufnehmens
wird unser einsgerichteter Fokus nichts erreichen.
Mit dem Wissen, wie man zwischen Aussenden und Wiederaufnehmen wechselt,
kann selbst ein Thedrang-Preta der niedrigsten Klasse
alle erleuchteten Aktivitäten und jegliche Handlungen ungehindert vollbringen,
da alles die illusorische Entfaltung des Geistes ist.

Hat man den essenziellen Punkt des Mengak der vier Nägel verinnerlicht, sieht man die Form der Gottheit direkt und stiehlt somit die Lebenskraft des erleuchteten Körpers. Durch die Verwirklichung wahrer Sprache stiehlt man die Lebenskraft der erleuchteten Sprache. Wenn die Meisterung der Realität vollbracht ist, stiehlt man die Lebenskraft des erleuchteten Geistes. Körper, Sprache und Geist der friedvollen und zornvollen Sugatas verschmelzen mit den eigenen drei Pforten; das Mannigfaltige verschmilzt zu einem Geschmack, wodurch man die tausendfache Lebenskraft von Saṃsāra und Nirvāṇa erlangt. Außerdem erlangt man Weisheit und meistert die vielfältigen erleuchteten Aktivitäten.

7) Erfahrungen auf den Pfad bringen

Der siebte Teil hat zwei Abschnitte: die zehn Punkte, die erkannt werden müssen, und die sechs Punkte des Samaya-Gelübdes. Bezüglich des ersten heißt es: „Im geheimen Mantra wird nach dem System der zehn Punkte, die erkannt werden müssen, praktiziert, angefangen bei einer Illusion und einer Spiegelung." Dementsprechend wird gelehrt, dass man, ob während der Meditation über das Mandala der Gottheit oder in der Nach-Meditation, im geheimen Mantra immer entsprechend dem Ansatz der zehn Punkte, die erkannt werden müssen, praktiziert. Diese zehn Punkte lauten wie folgt: 1) Erkenne, dass alle Sādhanas illusionsgleich sind, 2) erkenne, dass jegliche Namen und Worte ohne Essenz sind, wie eine Spiegelung, die ein wildes Tier anlockt, 3) erkenne, dass alle Aktivitäten traumgleich sind, 4) erkenne, dass alle Dinge ohne inhärente Natur sind, wie eine Reflexion in einem Spiegel, 5) erkenne, dass alle Orte und Länder der Stadt der Gandharvas gleichen, 6) erkenne, dass alle Klänge, einem Echo gleich, ihrem Wesen nach leer sind, 7) erkenne, dass alle Formen der Gottheit zwar erscheinen, doch ohne inhärente Existenz sind, wie ein Mond, der sich im Wasser spiegelt, 8) erkenne, dass die verschiedenen Samādhis wie im Wasser aufsteigende Blasen sind, 9) erkenne, dass alles Aussenden und Wiederaufnehmen gleich optischen Täuschungen vielfältig ist, 10) erkenne, dass alle illusorischen Erscheinungen genau wie Emanationen verschiedenartig sind und doch keinerlei charakteristische Merkmale besitzen.

Zweitens lauten die sechs Punkte des Samaya-Gelübdes folgendermaßen: 1) Empfinde stets glühende Sehnsucht nach dem Lama, der die Kernanweisungen lehrt, 2) bemühe dich um für die Meditation vorteilhafte Umstände, 3) gib unvorteilhafte Umstände auf, 4) halte in allem, was du tust, deine meditative Konzentration aufrecht, 5) gib die Yidam-Gottheit niemals auf, 6) halte die Art deiner Meditation und deines Handelns vor ungeeigneten Personen geheim.

B) Die vier Zweige von Annäherung und Errungenschaft und die vier Vidyādharas

Der zweite Teil, der wiederum in vier Abschnitte unterteilt wird, erklärt den außergewöhnlichen Pfad, auf dem man sich in den Ebenen der vier Vidyādharas im Rahmen der vier Zweige von Annäherung und Errungenschaft übt.

1) Die Stufe der Annäherung – der vollständig gereifte Vidyādhara

Das hierzuvor Erklärte bezieht sich auf den Zweig der Annäherung, im Zuge dessen man sich auf den subtilen Samādhi und die Visualisierung der drei Objekte, wie zum Beispiel die Gottheit allein, fokussiert. Durch diese Meditation werden die Qualitäten der Pfade von Ansammlung und Verbindung manifest und klar ersichtlich. Gleichermaßen erscheinen in abhängigem Entstehen mit der Anwendung von Achtsamkeit und so weiter die Zeichen des Eintretens der subtilen Winde der fünf Elemente in den Zentralkanal als Erfahrung von Weisheit. Diese Zeichen sind Rauch, dann Trugbilder, dann Glühwürmchen, dann ein wolkenloser Himmel und so weiter. Sie sollten als Zeichen zunehmender meditativer Erfahrung verstanden werden.

Ebenso können wir in unseren Träumen verschiedenen Zeichen begegnen. Ist man oftmals nackt, ist das ein Zeichen dafür, dass unsere Gewohnheitsmuster gereinigt werden. Erklimmt man eine Leiter in den Himmel, ist das ein Zeichen für das Erreichen der Bodhisattva-Stufen, und reitet man auf einem Löwen oder Elefanten, ist das ein Zeichen für das Überschreiten einer Bodhisattva-Stufe. Als Zeichen dafür, dass man eine Prophezeiung erhalten wird, gelten Darstellungen von Gottheiten, die einem zulächeln, und dergleichen. Kurz gesagt, wie in der Vajra-Anordnung beschrieben, treten unvorstellbar viele Zeichen auf, die unseren Fortschritt auf dem Pfad anzeigen. Verspüren wir darüber übermäßige Genugtuung, geben wir Dämonen eine günstige Gelegenheit, uns zu schaden. Deshalb sollten wir alle Hoffnung auf irgendetwas Positives aufgeben.

Während der Praxis der äußeren Hitze sieht man kleinste Atome, Buchstaben, Handattribute, winzige Formen von Gottheiten und Ähnliches sowie die Farben und Āyatanas von Feuer, Wasser, Wind und so weiter. Indem man in der Praxis der inneren Hitze über die Gottheit meditiert, entsteht die Erfahrung, dass man Ein- und Ausatmen nicht mehr spürt. Durch die Praxis der geheimen Hitze versteht man, dass das gesamte Spektrum der eigenen Erfahrungen illusionsgleich ist. Gleichzeitig gelangt man, ohne besondere Anstrengung und ohne auf Ursachen und Bedingungen angewiesen zu sein, zu der Erkenntnis, dass alle Phänomene im grundlegenden Raum erleuchtet sind. Dies hat zur Folge, dass das gesamte Spektrum der eigenen Erfahrung klar als Weisheit erscheint.

Äußere Zeichen umfassen unter anderem Licht, Klang, Duft, lächelnde Bildnisse, Butterlampen, die von selbst brennen, schwebende Schädelschalen, gute Gesundheit und ein erhebendes, inspirierendes Gefühl. Zu den inneren Zeichen zählen zunehmendes Mitgefühl, weniger Anhaftung, Freiheit von Vorurteilen, den eigenen Samaya-Verpflichtungen mehr Bedeutung beizumessen, Wertschätzung für den Lama und die Dharma-Geschwister, sich keine Hoffnung auf gute Ergebnisse zu machen, keine Furcht vor Samsara, keine Angst vor Dämonen und vieles mehr. Wie zuvor sollte man auch beim Auftreten dieser Zeichen ein Gefühl der Genugtuung vermeiden.

Wer die Gipfelstufe erlangt, macht die Erfahrung, dass die fünf inneren leidhaften Emotionen nicht mehr basierend auf den äußeren Objekten entstehen und die fünf äußeren Elemente dem Körper nicht mehr schaden können. Dies sind Zeichen der Verschmelzung von Geist und Erscheinung.

Auf der Stufe der Akzeptanz offenbaren sich die Zeichen der Meisterschaft über Erscheinungen und Geist. Hier werden die Erscheinungen formbar, und so erlangt man die Fähigkeit, Sand zu Gold zu machen, trockenes Land zu Wasser, Kohle zu Bäumen und so weiter. Während der physische Körper gewöhnlich bleibt, reift der Geist zur Form der Gottheit heran. Dies wird „vollständig gereifter Vidyādhara" genannt. In der Weitläufigen illusorischen Manifestation heißt es:

Genau wie Wachs und die Prägung eines Siegels,
im Begriff, das große Siegel zu erlangen,
nichts anderes als die vollendete, kraftvolle Form.

Hier bezieht sich die „Prägung eines Siegels" auf den Körper, während sich „Wachs" auf den Geist bezieht – gemeint ist hier das Erlangen der großen Mudrā. Wenn man stirbt, ohne die höchste Stufe erreicht zu haben, wird man die große Mudrā im Bardo erlangen, vergleichbar mit einer Tonfigur und ihrer Abdruckform. Dies geschieht, weil man den durch herangereiftes Karma geschaffenen Körper ablegt, während der Geist bereits zur Form der Gottheit herangereift ist. Wie es in den Stufen des Pfades heißt:

Während der sechzehn Monate von Annäherung und Errungenschaft
wird der Körper nicht in den Vajra-Körper verwandelt.
Aufgrund mangelnder Kraft, schwieriger Umstände und unzureichender Wunschgebete
bleibt der Körper, geschaffen aus Konzepten, zurück.
Durch Gewahrsein gelangt man zur Ebene des Vajra-Halters.

Durch den kraftvollen Samādhi erreicht man die höchste Ebene und somit Meisterschaft über die Lebensspanne. In einem Tantra heißt es:

Ist der Vidyādhara mit Macht über das Leben erreicht,
erlangt man innerhalb von sechs, zwölf oder sechzehn Monaten
Meisterschaft und die höchste Klasse.

2) Die Stufe der unmittelbaren Annäherung – Vidyādhara der Langlebigkeit

Der Pfad des Sehens wird als Teil der Praxis der vertrauten Annäherung gelehrt. Ein Tantra besagt:

Die Darbringungen vollendet, mitsamt Gefolge,
bemühe dich voll Eifer gemäß der Methode der Annäherung.

Von der einen Familie des großen Geheimnisses an bis hin zur ausführlichen Mudrā verschmelzen in der Praxis – unabhängig davon wie man meditiert – Klarheit und Stabilität mit der Wirklichkeit, der großen Glückseligkeit. Dadurch erscheinen die Qualitäten der sieben Zweige der Erleuchtung offenkundig. Erreicht der Geist den Pfad des Sehens, werden die fünf Arten der Hellsichtigkeit, die vier wundersamen Kräfte und so weiter erlangt und man empfängt Belehrungen direkt vom Nirmāṇakāya. Nachdem die Merkmale der Wirklichkeit unmittelbar offenbart werden, wird der große, höchste Zustand zur Vollendung gebracht und der verunreinigte Körper in einen Vajra-Körper transformiert. Da dieser Körper frei von Geburt und Tod ist, wird er als „Vidyādhara mit Meisterschaft über die Langlebigkeit" bezeichnet. In den Stufen des Pfades heißt es:

Durch die Verwirklichung der Errungenschaft der acht Sammlungen,
die die Wirklichkeit sieht, anwendet und vervollkommnet,
werden die Verunreinigungen von Körper, Bereichen und Geburtsort erschöpft.
Zu einem Vajra-Körper werdend, Klasse des Lebens,
ist alles, was man sieht, Nirvāṇa.
Ohne den Körper zu verlassen, wird die Stufe der Siegreichen erlangt,
von allen Ängsten befreit und alle Wundertaten vollbracht.

Dies wird veranschaulicht mit dem Beispiel des großen Meisters Padmasambhava, der in der Maratika-Höhle gemeinsam mit der Gefährtin Mandārava durch die Praxis der intimen Handlung einen Zustand frei von Geburt und Tod erlangte.

3) Errungenschaft – Mahāmudrā-Vidyādhara

Der Pfad der Meditation wird während der Stufe der Errungenschaft vervollkommnet. Ein Tantra besagt:

Während der Errungenschaft bemühe dich auf dem Pfad der Meditation,
der regenbogengleiche Körper der Gottheit, Mahāmudrā – das große Siegel.

Obwohl die Essenz dieser meditativen Ausgewogenheit ihren Wesensmerkmalen nach frei von Täuschung und daher den Buddhas gleichzusetzen ist, gibt es Unterschiede in der Nach-Meditation. Man übt sich weiter in der Gleichheit der Wirklichkeit und vollbringt, gestützt auf das Maṇḍala des Körpers, aus dem Zustand des unerschütterlichen Samādhi heraus verschiedene wundersame Erscheinungen. Infolgedessen erscheint die Natur des Körper-Maṇḍalas wie ein Regenbogen, und die mentalen Unreinheiten der neun Ebenen werden geklärt. Darüber hinaus wird der edle achtfache Pfad vollständig in der Form von strahlender Weisheit vollendet, die frei von jeglichen Merkmalen ist, wodurch man sowohl mentale als auch symbolische Lehren direkt vom Sambhogakāya zu hören vermag. In einem Tantra heißt es:

Der eigene Körper ist die Mudrā der Siegreichen,
die durch Kultivierung manifeste Gottheit.
Geschmückt mit Zeichen, Merkmalen und Ornamenten,
der Mahāmudrā-Vidyādhara.

Auch hier gibt es wieder weitere Unterteilungen. Von der zweiten bis zur fünften Stufe wird man als Vajra-Vidyādhara bezeichnet, da die eigene Erkenntnis wie ein Vajra die Verdunklungen einer jeden Stufe zerstört. Diejenigen auf der sechsten Stufe befassen sich hauptsächlich mit der Praxis der transzendenten Weisheit und drehen das Rad des Dharma, weshalb sie Rad-Vidyādharas genannt werden. Da diejenigen auf der siebten Stufe aufgrund von geschickten Mitteln als so effizient wie ein Rad gelten, werden auch sie so genannt. Diejenigen auf der achten Stufe besitzen eine juwelengleiche Weisheit, die frei von jeglichen Konzepten ist. Da sie außerdem ihr eigenes vollständig reines Potential gemeistert haben, werden sie als Juwelen-Vidyādharas bezeichnet. Diejenigen auf der neunten Stufe sind ohne jegliche Anhaftung und somit in der Lage, Buddha-Felder zu schaffen und anderen von Nutzen zu sein. Sie werden daher Lotos-Vidyādharas genannt. Diejenigen auf der zehnten Stufe haben die erleuchteten Aktivitäten vervollkommnet und bewirken dadurch das Wohl der fühlenden Wesen. Deshalb sind sie als Schwert-Vidyādharas bekannt. Wie in den Stufen der Praxis gesagt wird:

Die zweite Form von Genuss, die Klasse der Mudrā,
besteht aus Vajra-, Rad-, Juwel-,
Lotos- und Schwert-Vidyādharas.

So demonstrierte beispielsweise der große Meister Padmasambhava in Yangleshö, Nepal, gestützt auf das Maṇḍala des Glorreichen Yangdag Heruka, wie man zur Ebene eines Mahāmudrā-Vidyādhara voranschreitet. Zudem erlangte er Meisterschaft über die vier Arten erleuchteter Aktivität.

4) Große Errungenschaft – unmittelbar gegenwärtiger Vidyādhara

Im vierten Abschnitt, der Stufe der großen Errungenschaft, wird der Pfad des Nicht-mehr-Lernens vervollkommnet. So heißt es:

Wenn die Zeichen stabil sind,
demonstriere die große Errungenschaft.

Nachdem die vorherigen Stufen des Pfades vollständig durchschritten wurden, übt man sich in der Gruppenpraxis in einer Versammlung von hunderttausenden im erleuchteten Zustand. In diesem Haupt-Maṇḍala gelten diejenigen, die der unmittelbaren Klasse angehören, aufgrund ihrer außerordentlichen Qualitäten vorwiegend als den Buddhas ebenbürtig. Dennoch gibt es in der Mantra-Tradition innerhalb dieses einen Moments Unterschiede bezüglich des spirituellen Fortschreitens. Das zu Lernende wird vollständig abgeschlossen, woraufhin der Zustand der Buddhaschaft jenseits des Lernens erlangt wird. Man begegnet dem Dharmakāya von Angesicht zu Angesicht und vollendet Aufgeben und Verwirklichung. So beschreibt der Herr der Siegreichen, Padmasambhava, den unmittelbar gegenwärtigen Vidyādhara. In den Stufen des Pfades heißt es:

Durch Vervollkommnung der Kraft der vorherigen Klassen
werden Verdunklungen wie erklärt gereinigt,
das dreifache Wissen der Buddhaschaft entfaltet sich,
und die unmittelbar gegenwärtige Klasse wird erlangt.

Man könnte meinen, dass es widersprüchlich ist, die unmittelbar gegenwärtige Klasse wortwörtlich auf die hier beschriebene Art und Weise mit der Ebene der Buddhaschaft gleichzusetzen, dem ist aber nicht so. Die Idee dahinter ist, die fünf Pfade des Sūtra-Systems durch die vier Vidyādharas des Mantra-Systems darzustellen, wobei die innere Bedeutung der Tantras durch die sechs Extreme und vier Methoden erklärt wird. Gleichermaßen werden jegliche Widersprüche beseitigt, die die große Errungenschaft betreffen, welche im Rahmen der vier Zweige von Annäherung und Errungenschaft erklärt wird. Sie besitzt weder etwas, das aufzugeben, noch etwas, das zu erlangen ist, und ist gleichzeitig das, was praktiziert wird. Hier gibt es keinen Widerspruch, da dies die implizierte Bedeutung ist.

Obwohl der unmittelbar gegenwärtige Vidyādhara also als Ebene der Buddhaschaft angesehen wird, ist es dennoch möglich, weiter fortzuschreiten. So erlangt man die höchste Bhūmi des Lotos der Nicht-Anhaftung, wenn man mit nicht-konzeptueller Weisheit auf jedwede Art prüft und dennoch keinerlei Unreinheiten oder Makel findet. Ebenso erlangt man die Bhūmi der großen Versammlung des Silbenrades, ausgestattet mit verschiedenen unvorstellbaren erleuchteten Qualitäten, wie den zweiunddreißig außergewöhnlichen Hauptmerkmalen und achtzig Nebenmerkmalen. Weiter gibt es die dreizehnte Bhūmi des Vajra-Halters, auf welcher man das unerschöpfliche Schmuckrad von Körper, Sprache und Geist aller Tathāgatas genießt. Im Ghanavyūha-Sūtra heißt es:

Erst wenn die vollkommenen Buddhas,
zur vollständigen Buddhaschaft erwacht,
im höchsten Bereich von Akaniṣṭha zu Buddhas werden,
führen sie ihre erleuchteten Taten im Bereich der Begierde aus.

So wird beschrieben, dass die Erfahrungen der verschiedenen Stufen der Mantra-Tradition in einem einzigen Augenblick durchschritten werden und man in Akaniṣṭha vollständiges Erwachen demonstriert. Weiter manifestiert man unermesslich viele erleuchtete Aktivitäten, wie die zwölf erleuchteten Handlungen unaufhörlicher geschickter Mittel. Auf diese Weise werden die glückverheißenden Umstände geschaffen, welche hier namensgebend sind. So lautet die Erklärung. In einem Tantra heißt es:

Als letztendliche unmittelbar gegenwärtige Errungenschaft
wirkt man als Herrscher,
dreht das geheime Rad in richtiger Weise,
lehrt allen den geeigneten Dharma
und vollbringt die zwölf Taten.

Ein Beispiel für diese Stufe ist der große Meister Padmasambhava, der gegenwärtig und bis zum Ende von Saṃsāra auf der Stufe des spontan vollendeten Vidyādharas verweilt, untrennbar von allen Buddhas. Von dort aus lehrt er der reinen Versammlung im Akaniṣṭha-Bereich des Lotos-Lichts den Dharma, und wirkt durch sein Mitgefühl unermüdlich zum Wohle der Wesen.

Auf diese Weise habe ich den großen Meister sowohl als Vidyādhara mit Meisterschaft über die Langlebigkeit als auch als Mahāmudrā-Vidyādhara positioniert. Eine solche Unterscheidung wurde von seinen Anhängern im Allgemeinen bisher nicht getroffen, doch folgt diese Darstellung meiner Erkenntnis, entsprungen aus der Lotosblüte meines Geistes, die durch das strahlende Licht des Mitgefühls des zweiten Buddha erblühte.

Einige vertreten die Ansicht, dass Mahāmudrā sich von der ersten bis zur siebten Bhūmi erstreckt, während die unmittelbare Gegenwärtigkeit die drei reinen Bhūmis umfasst. Das ist ein Irrtum. Der Allwissende sagte dies über die eben zitierte Passage aus den Stufen des Pfades:

Die von einigen Meistern vertretene Position, Mahāmudrā umfasse die erste bis hin zur siebten Bhūmi und die unmittelbare Gegenwärtigkeit beziehe sich auf die drei reinen Bhūmis, scheint ein Missverständnis zu sein. Der Grund dafür ist, dass das Fortschreiten durch die vier Klassen von Vidyādharas die Ebene eines Anfängers bis hin zur Ebene der Buddhaschaft umfasst.

Darüber hinaus gibt es diejenigen, die sich bereits ausgiebig in den zwei Ansammlungen geübt haben und deren Weisheit und Samādhi große Kraft besitzen. Solche Individuen können die Pfade unmittelbar durchqueren, was bedeutet, dass sie augenblicklich vom Pfad des Verbindens hinweg die Pfade des Sehens und der Meditation durchschreiten und zum letztendlichen Pfad gelangen. Manche mit äußerst kraftvollen geistigen Fähigkeiten können sogar direkt vom Pfad des Sehens zur Ebene der Buddhaschaft übergehen. In einem Tantra heißt es:

Einige aus der Klasse der Meisterschaft
vervollkommnen die fünf wahren Kāyas in sechzehn,
während andere aus der Klasse des Mahāmudrā
zum unübertroffenen Zustand von Samantabhadra gelangen.

Angesichts dessen könnten Zweifel darüber aufkommen, ob nicht auch unser Meister, der zweite Buddha, stufenweise vorangeschritten sei, wie die Passagen eben anzudeuten scheinen. So zu denken wäre jedoch ein Irrtum.

Im freudvollen Bereich namens Akaniṣṭha
erlangen die vollendeten Buddhas Erleuchtung,
während ihre illusorischen Emanationen hier erwachen.

Dies erklären Texte wie das Tantra der Erleuchtung von Vairocana und Die geheime Essenz des Mondes. In gleicher Weise sollte man verstehen, dass Buddha Śākyamuni, obwohl auch er bereits vor unvorstellbar langer Zeit vollständig erwachte und Aufgeben und Verwirklichen vervollkommnete, dennoch hier die zwölf Taten manifestierte.

III) Die vollkommen reine Frucht: die Methode zur Erlangung des vereinigten Zustands

Hier gibt es zwei Unterteilungen: A) Eine allgemeine Erklärung der Natur des Resultats und B) Eine Zusammenfassung der Unterschiede in der Mantra-Tradition.

A) Eine allgemeine Erklärung der Natur des Resultats

Indem man auf diese Weise die reine ursprüngliche Weisheit durch den tiefgründigen Samādhi der Leerheit übt und durch den musikgleichen Samādhi als Gottheit visualisiert, werden die Verunreinigungen beseitigt, die zur Wiedergeburt in Samsara führen.

Indem man erkennt, dass die Gottheit die natürliche Manifestation der ursprünglichen Weisheit jenseits des Bereichs der Erfahrung ist, werden die gewohnheitsmäßigen Tendenzen des Konzeptualisierens erschöpft. Durch das Transformieren des Allgrund-Bewusstseins entsteht die ursprüngliche Weisheit des Dharmadhātu. Ähnlich heißt es im Sūtra über das Eintreten in die drei Kāyas:

Der im grundlegenden Raum aufgehende Ālayavijñāna ist spiegelgleiche Weisheit.

Demgemäß entsteht, wenn das mentale Bewusstsein im grundlegenden Raum aufgeht, die Weisheit der Gleichheit. Wenn der mit den Kleśas behaftete Geist im grundlegenden Raum aufgeht, entsteht die unterscheidende Weisheit. Wenn die fünf Sinnesbewusstseinsarten im grundlegenden Raum aufgehen, entsteht die alles vollbringende Weisheit.

Zu diesem Zeitpunkt verwandeln sich auf der äußeren Ebene die Erscheinungen in reine Buddha-Felder, auf der inneren Ebene verwandeln sich die Aggregate in die Form der Gottheit und auf der geheimen Ebene verwandeln sich die acht Bewusstseinsarten in ursprüngliche Weisheit. Dies wird „vollständige Erleuchtung in allen Aspekten" genannt. Wie in den Siebzig Versen über die Zufluchtnahme geschrieben steht:

Da man aus dem Schlaf der Unwissenheit erwacht
und das Verständnis sich über alles zu Wissende erstreckt,
entfaltet sich Buddhaschaft wie die Blütenblätter eines Lotos.

Wenn diesbezüglich die Bhūmi des Lotos der Nicht-Anhaftung und die Bhūmi der großen Versammlung des Silbenrades verwirklicht wurden, werden laut dem System des Großen glorreichen illusorischen Netzes die fünf Kāyas gleichzeitig vervollkommnet. Hier folgt nun eine kurze Erklärung zu diesen fünf.

1) Vajrakāya

Der unveränderliche Vajra-Körper wird im Netz der Weisheit wie folgt beschrieben:

Die Reinheit des grundlegenden Raumes ist der Vajrakāya,
unveränderlich, unzerstörbar, unvorstellbar.

So ist der ursprüngliche Raum, das natürliche klare Licht, die letztendliche Vollendung des Pfades, der von allen Buddhas durchschritten wird. Da seine inhärente Natur unveränderlich und einem Vajra gleich unbedingt und daher dauerhaft ist, wird er „Vajrakāya" genannt. Darüber hinaus wird er auch „Buddhaschaft der zweifachen Reinheit" genannt: Er ist einerseits von Natur aus rein, da er von jeher keinerlei Verunreinigungen aufwies, und andererseits aufgrund des Fehlens vorrübergehender Verunreinigungen absolut rein.

2) Abhisambodhikāya

Der zweite Kāya ist der Körper der vollkommenen Erleuchtung, der Abhisambodhikāya. Dieser wird im gleichen Text folgendermaßen beschrieben:

Von Verunreinigungen frei ist er rein,
seine Qualitäten vollständig entfaltet ist er vollkommen,
untrennbar verschmolzen ist er vereint,
der Körper der vollkommenen Erleuchtung.

Wenn das klare Licht der Natur des Geistes die höchste Vollendung erreicht, wird der Aspekt der zweifachen Reinheit präsent. Außerdem sind im Rahmen des Aspekts der Erscheinung die spezifischen Qualitäten präsent, unter anderem die zehn Kräfte, die vier Arten der Furchtlosigkeit, die achtzehn einzigartigen Qualitäten eines Buddha, großes Mitgefühl und die siebenunddreißig Faktoren der Erleuchtung. Kurz gesagt wird er der „Körper der vollkommenen Erleuchtung" genannt, da er all diese unvorstellbaren Qualitäten von Weisheit, Liebe und Kraft besitzt und die Grundlage für die Manifestation aller einzigartigen Qualitäten darstellt.

3) Dharmakāya

Der dritte Kāya ist der friedvolle Dharmakāya. Dieser wird nicht als bloße Leerheit betrachtet, da er nicht einfach nur zeitloses Gewahrsein ist. Wird der Dharmakāya als die wahre Natur der Phänomene gesehen, ist er der oben beschriebene Vajra-Körper. Aus der Perspektive seiner vielfältigen Erscheinung und seiner einzigartigen Essenz ist der Dharmakāya der Körper der vollkommenen Erleuchtung, wie soeben beschrieben.

Als was wird er also im gegenwärtigen Kontext definiert? Er ist weder dauerhaft, da er jenseits unseres Wahrnehmens und Denkens liegt, noch ist er Nichts, da er selbst-gewahre Weisheit ist. Er ist nicht beides gleichzeitig, und auch nicht keines von beiden, da weder Dauerhaftigkeit noch Nichtigkeit wahrhaftig existieren. Er ist daher die Natur des grundlegenden Raums, ohne Mitte oder Ende, wie der Himmel selbst. In dieser Weite, die gleich dem Neumond nicht offenbar ist, verschmilzt die äußerst subtile ursprüngliche Weisheit zu einem Geschmack. Der erkenntnisfähige Aspekt ist die innere Strahlung unaufhörlicher Weisheit, während er aus dem Aspekt der Ausgewogenheit heraus als die Essenz der nach außen strahlenden, sich entfaltenden Weisheit fungiert. Dadurch wird er zur Ursache für den Rūpakāya, der den Bodhisattvas, die auf den Bhūmis verweilen, und der Versammlung fühlender Wesen als sichtbare Form erscheint, ebenso für die erleuchtete Sprache, die sie hören, den Duft der Disziplin der Edlen, den sie riechen, den Geschmack des Dharma und das glückselige Gefühl der Meditation, die sie erfahren, sowie für die Weisheit der konzeptuellen Untersuchung der Phänomene. Daher stammt die Bezeichnung „Weisheit, die innewohnend, doch nicht dumpf ist".

Dementsprechend gibt es kein dualistisches Festhalten an Subjekt und Objekt, da die unvorstellbare ursprüngliche Weisheit ausschließlich der Wirkungsbereich der Buddhas ist. In Guru des illusorischen Netzes wird erklärt:

Die innerlich leuchtende, äußerst subtile, ursprüngliche Weisheit
ist die nicht-konzeptuelle Grundlage der Manifestation, der Dharmakāya.

So sind diese drei Kāyas, die sich im innerlich leuchtenden grundlegenden Raum manifestieren, äußerst schwer zu begreifen.

4) Saṃbhogakāya

Über den vollkommenen Genusskörper, den Saṃbhogakāya, heißt es in den Stufen der illusorischen Manifestation:

Das spontan vollkommene Gewahrsein
erscheint in der eigenen Erfahrung als reine Bereiche,
Paläste, Throne, Schmuck und vielfältige Lichtstrahlen.

Aus dem Zustand der wahren Natur, der inneren Strahlung des grundlegenden Raumes, manifestieren sich erleuchtete Formen mit den fünf Arten der Gewissheit. Sie erscheinen wie fünffarbiges Licht aus einem von Sonnenlicht getroffenen Kristall, die eigene Erfahrung des Ozeans der Haupt- und Nebenmerkmale. Dies sind die Regenten, die Lehrer der fünf Familien, die Erscheinung der Buddhas selbst. Sie erscheinen leeren Formen gleich und genießen das kontinuierliche Rad der Dauerhaftigkeit. Da sie andersartig und außergewöhnlich sind, können selbst jene, die Meisterschaft über die zehnte Bhūmi erlangt haben, sie nicht wahrnehmen. Warum? Weil sie die Verschleierungen noch nicht vollständig in ihrer Gesamtheit aufgegeben und noch nicht das innere Auge der Weisheit erlangt haben, das alle Qualitäten der Natur der Dinge und ihrer Erscheinung wahrnimmt. Wie es im Uttara-Tantra heißt:

Weil es jenseits des Bereichs der Sprache liegt, weil es im Letztendlichen enthalten ist,
weil es kein Objekt konzeptuellen Denkens ist, weil es Beispiele transzendiert,
weil es unübertrefflich ist, weil es nicht Teil von Saṃsāra oder von Nirvāṇa ist,
können selbst die Edlen das Gefilde der Siegreichen nicht erfassen.

Die vollkommenen Orte wie die himmlischen Paläste und dergleichen existieren ebenso als eigene Erfahrungen aus der Grundlichtheit heraus und werden mit reinen Traumerscheinungen verglichen. Obwohl sie jenen erscheinen, die alle Verschleierungen vollständig entfernt haben, sollten sie nicht als unabhängige Entitäten, die an einem nicht genauer definierten Ort existieren, angesehen werden. Dies ist damit vergleichbar, dass die verschiedenen leeren Formen, die den Yogis erscheinen, deren Winde in den Zentralkanal eingetreten sind, von anderen nicht wahrgenommen werden können, selbst wenn sie sich zur selben Zeit am selben Ort befinden.

Der Unterschied zu den drei Kāyas der inneren Lichtheit kann anhand des folgenden Beispiels leicht verstanden werden: Licht, das in einen Kristall zurückweicht, verweilt dort als Grundlage für das Entstehen von fünffarbigem Licht – die subtile Weisheit verweilt im grundlegenden Raum. Durch die Bedingung, das Sonnenlicht, strahlt fünffarbiges Licht von einem Kristall nach außen – indem die Objekte der eigenen Erfahrung erscheinen, lodert die nach außen strahlende Weisheit als erleuchtete Formen, geschmückt mit Haupt- und Nebenmerkmalen, auf.

5) Nirmāṇakāya

Der letzte unter den fünf Kāyas ist der mannigfaltige Emanationskörper oder Nirmāṇakāya. Dies bezeichnet die heiligen Lehrer oder die Kapitäne, die die Bodhisattvas, die Edlen und so weiter zur Insel des Friedens führen. Sie erscheinen den höchsten Schülern als Ausdruck des Saṃbhogakāya.

Obwohl sie dem großen Saṃbhogakāya des grundlegenden Raumes unserer eigenen Erfahrungen zu ähneln scheinen, sind sie nicht wirklich identisch. Dies wird veranschaulicht durch den Unterschied zwischen einem tatsächlichen Objekt und seiner Reflexion in einem Spiegel. Das Spiegelbild scheint dem mit den Haupt- und Nebenmerkmalen ausgestatteten, vollendeten Saṃbhogakāya gleich, allerdings erscheinen der reine Bereich, das Gefolge und so weiter auch in der Erfahrung anderer und gehören zu den Erscheinungen der zehnten Bhūmi. Daher sieht das Tantra der Vereinigung von Sonne und Mond hier einen Unterschied und bezeichnet sie als „halb Nirmāṇakāya, halb Saṃbhogakāya."

Auf diese Weise manifestiert sich die Natur unserer Erfahrungen, und dadurch lehren in den fünf reinen Bereichen, die als natürliche Nirmāṇakāya-Bereiche bezeichnet werden – Akaniṣṭha, Abhirati, Śrīmat, Padmakūṭa, auch bekannt als Sukhāvatī, und Karmaprasiddhi – Vairocana und die übrigen Buddhas der fünf Familien das reine Gefolge auf der zehnten Bhūmi über die Natur der fünf Familien, der fünf Dharmas und der fünf Transformationen. Sie gewähren die Ermächtigung des großen Lichts und vollenden so die großen Aktivitäten der Buddhaschaft. In der Illusion des manifesten Erwachens heißt es:

Durch Meisterschaft der reinen Bhūmis,
die fünf Lehrer, die fünf höchsten Dharmas
und die fünf Weisheiten vollständig vollendet,
schreitet man zum Herz der vollkommenen Erleuchtung.

Aus diesem Zustand heraus erheben sich die Emanationskörper, um Wesen zu zähmen. Diese Nirmāṇakāyas entstehen aus den Samen des anwachsenden positiven Karmas fühlender Wesen und erscheinen in Übereinstimmung mit der Analogie von Wasser, der Spiegelung des Mondes und der tatsächlichen Mondscheibe. So wie der Mond die Kraft besitzt, sich im Wasser zu spiegeln, hat der Saṃbhogakāya gleich dem Mond die Kraft, Emanationen aufgrund der Bitte der zu zähmenden Wesen auszusenden. Genau wie durch abhängiges Entstehen Wasser Reflexionen widerspiegeln kann, besitzen die zu zähmenden Wesen das Verdienst, dass ihnen Emanationen erscheinen können. Wenn diese beiden Faktoren zusammentreffen, erscheinen die spiegelbildgleichen Emanationen auf jede erdenkliche Weise, um Wesen zu zähmen, genau wie die Spiegelung des Mondes sich mühelos im Wasser reflektiert.

Aufgrund ihres individuellen Karmas durchleiden die Wesen der sechs Bereiche (die nach oben gewandten Wesen der höheren Bereiche, die geradeaus gewandten Tiere und die nach unten gewandten Höllenwesen und Pretas) die verschiedensten Arten von Leid. Um den Nutzen der Lebewesen entsprechend der von ihnen erfahrenen Erscheinungen zu vollbringen, manifestieren sich die Gewahrseins-Wesen als die sechs Weisen. Manche Wesen werden durch die zwölf Handlungen, die durch das große Verdienst des erleuchteten Körpers ausgeführt werden, gezähmt. Manche werden durch erleuchtete Sprache in Form der verschiedenen Fahrzeuge der Lehren, welche die Eigenmerkmale der Worte und Klänge transzendieren, gezähmt. Manche werden durch den erleuchteten Geist in Form der sechs Arten der Hellsichtigkeit, wie die vollkommen vollendeten Aktivitäten von Samantabhadra, gezähmt. Manche werden durch unvorstellbare erleuchtete Aktivitäten gezähmt, die auf jegliche Weise, sowohl direkt als auch indirekt, ausgeführt werden. Im Avataṃsaka-Sūtra heißt es:

Oh, Kind edler Familie, die Emanationen des Tathāgata sind endlos.
Sie zähmen Wesen auf jedwede Art und vollbringen ihren Nutzen durch ihre Form, Farbe und Namen.

Unter diesen wird der Nirmāṇakāya, der die zwölf Handlungen vollführt, höchster Emanationskörper genannt. Die verschiedenen Nirmāṇakāyas, die andere Wesen durch ihr Mitgefühl zähmen, werden vielfältige Nirmāṇakāyas genannt. So manifestieren sie bei ihrer Geburt einen physischen Körper, der den Wesen direkt hilft, und vollbrachten damit den Nutzen der Wesen beispielsweise als riesiger Fisch zur Zeit der Hungersnot, als Geschöpf zur Zeit der Krankheit und als weises Pferd Balaha auf der Insel der Dämoninnen.

Des Weiteren gibt es die geschaffenen Nirmāṇakāyas, die als unbelebte Objekte, wie Bildnisse, Statuen, Lotosblüten, wunscherfüllende Bäume, Parks, Gärten, Paläste, Juwelen, Schiffe, Brücken und Lampen erscheinen. Kurz gesagt, alle Dinge, die fühlenden Wesen bereitgestellt werden, um ihnen zu nutzen, sind Emanationen voller Segen. Auch diese entstehen aus dem grundlegenden Raum und lösen sich wieder in ihn auf. Die Art und Weise, wie dies geschieht, hält jeder Analyse stand. Der Allwissende Longchenpa sagte:

Wenn es niemanden zu zähmen gibt, lösen sich die Zähmenden in den grundlegenden Raum hinein auf,
und die eigene Erfahrung vom Sambhogakāya verschmilzt in den Zustand des Dharmakāya,
so wie ohne Wasseroberfläche die Spiegelung des Mondes im Himmel verbleibt,
der Mond mit der Mondphase im Raum verschwindet,
und der Neumond weder zu- noch abnimmt.
Wenn es jemanden zu zähmen gibt, erscheinen sie allmählich wie zuvor.
Dies ist die unmittelbar gegenwärtige Frucht.

Wenn keine Wasseroberfläche vorhanden ist, löst sich die Reflexion des Mondes von selbst in die Weite des Mondes hinein auf. Genauso verhält es sich, wenn keine zu zähmenden Wesen zugegen sind: Die dem Mond gleichenden Manifestationen, die Erscheinungen der Essenz der Buddhas, lösen sich in den friedlichen Zustand des selbst erscheinenden Saṃbhogakāya auf. Trotz dieses Beispiels sollte man sich bewusst machen, dass es unmöglich ist, dass etwas aus etwas anderem entsteht und sich dort hinein auflöst.

Ebenso löst sich der Sambhogakāya in die Weite der inneren Lichtheit des Dharmakāya auf, was als „Weisheit, die sich im grundlegenden Raum sammelt" bezeichnet wird – wie der Neumond, der in innerer Lichtheit verweilt. Laut den Madhyamikas handelt man zu diesem Zeitpunkt, indem man durch friedliches Verweilen im Dharmadhātu ausgeglichen im Zustand der höchsten Beendigung ruht, während man weiterhin kraft früherer Wunschgebete anderen in deren Wahrnehmung von Nutzen ist.

Das Uttara-Tantra vertritt die Ansicht, dass, obwohl die Weisheit der meditativen Ausgewogenheit unveränderlich ist, im Zustand der Nach-Meditation ein unvorstellbarer Nutzen für fühlende Wesen vollbracht wird. So heißt es hier:

Der Zustand frei von Konzepten
und dessen Nach-Meditation sind Weisheit.

B) Eine Zusammenfassung der Unterschiede in der Mantra-Tradition

Im höchsten Zustand zweifacher Reinheit, in welchem Aufgeben und Verwirklichung vervollkommnet sind, werden zwischen der Buddhaschaft der Sūtra-Tradition und jener der Mantra-Tradition keinerlei Unterschiede postuliert. Dies entspricht der Sichtweise meines Lehrers, dem allwissenden Herrn der Sprache, Longchenpa. Wenn jedoch erhabene Wesen unter Verwendung ihres bedeutungsvollen Handelns und ihrer tiefgründigen Verwirklichung von illusorischer Weisheit die Qualitäten des grundlegenden Raumes untersuchen, ist die Natur ihrer Weisheit analytischer Einsicht in unvorstellbare Aspekte von solcher Art, dass, womit auch immer sie sich befasst, die tatsächliche Realität ist.

Unbestrittener Meister in der Darlegung dieses Themas war Yungtön Dorje Pel. In der Tradition der Lehrer der Zur-Linie, der Praktizierenden des Großen Glorreichen, verfasste er eine Abhandlung, in welcher er die Unterschiede zwischen der Buddhaschaft in der Sūtra-Tradition und jener in der Mantra-Tradition aufzeigt. Es heißt bekanntermaßen, dass angesichts dieses Textes selbst die unumstrittenen großen Meister der Sprache ihren Stolz niederlegten. So können wir festhalten, dass diese Abhandlung einer Analyse durch den unterscheidenden Intellekt standhält, und ich werde im Folgenden seine Erklärung des Tantra darlegen.

1) Unterscheidung des Dharmakāya

Als erstes beschreibt er drei Möglichkeiten, den Dharmakāya zu unterscheiden: die Unterscheidung hinsichtlich der Essenz, die Unterscheidung hinsichtlich der Merkmale und die Unterscheidung hinsichtlich des Segens.

In Bezug auf die Essenz heißt es im ursächlichen Fahrzeug, dass der Dharmakāya Leerheit, frei von Ausführlichkeit ist, während er im Mantra-Fahrzeug als Einheit von Erscheinung und Leerheit gesehen wird. In der Weiten Illusion heißt es:

Die belebte und unbelebte Welt
erscheint und hat doch keine inhärente Natur.

Bei der Unterscheidung hinsichtlich der Merkmale verfällt der Dharmakāya im ursächlichen Fahrzeug in das Extrem der Leerheit, während er im Mantra-Fahrzeug die Untrennbarkeit von Erscheinung und Leerheit ist und als solche in kein Extrem verfällt.

Bei der dritten Unterscheidung heißt es, dass aus dem Segen des Dharmakāya, wie er im ursächlichen Fahrzeug beschrieben wird, lediglich die beiden Rūpakāyas hervorgehen, während sich in der Mantra-Tradition aus dem Segen der Untrennbarkeit von Erscheinung und Leerheit des Dharmakāya die fünf Kāyas und so weiter auf verschiedene Weise manifestieren.

Bei genauerer Betrachtung erscheint mir die Unterscheidung hinsichtlich der Essenz nicht einleuchtend, da im Kontext der äußerst subtilen Weisheit, die innewohnend ist, ohne dumpf zu sein, eine Identifizierung von Erscheinung und Leerheit nicht stattfindet. Das Zitat aus der Weiten Illusion ist im Kontext der Unterscheidung hinsichtlich der Merkmale passender.

2) Unterscheidung des Rūpakāya

Im zweiten Punkt werden die beiden Form-Kāyas ebenso auf drei Arten unterschieden. Erstens lehrt das ursächliche Fahrzeug, dass die beiden Rūpakāyas aus Ursachen und Bedingungen entstehen, während sie laut dem Mantra-Fahrzeug nicht durch Ursachen und Bedingungen erzeugt werden. Wie es in der Weiten Illusion heißt:

Weil sie nicht von Ursachen und Bedingungen abhängen…

Der nächste Punkt wird in zwei Abschnitte unterteilt: die Unterschiede in Bezug auf den Saṃbhogakāya und die Unterschiede in Bezug auf den Nirmāṇakāya.

Der Saṃbhogakāya wird auf zwei verschiedenen Weisen unterschieden. Erstere ist die Unterscheidung hinsichtlich des Objekts des Genusses. Hier heißt es, dass der Saṃbhogakāya im ursächlichen Fahrzeug nur die positiven Aspekte genießt, nicht aber die negativen Aspekte, während der Saṃbhogakāya im Mantra-Fahrzeug beide genießt. Weiter wird hinsichtlich der Methode des Genusses unterschieden: Das ursächliche Fahrzeug hat keine Methode zur Nutzung negativer Aspekte, während das Mantra-Fahrzeug Mittel aufweist, um sowohl positive als auch negative Aspekte zu nutzen.

Auch bei der Unterscheidung des Nirmāṇakāya gibt es hier zwei Möglichkeiten. Einerseits wird in Bezug auf die zu zähmenden Schüler unterschieden, wobei der Nirmāṇakāya im ursächlichen Fahrzeug nur tugendhafte Schüler zu zähmen weiß, nicht aber diejenigen ohne Tugend. Im Mantra-Fahrzeug handelt der Nirmāṇakāya ohne jegliche Einschränkung. Des Weiteren wird hinsichtlich der Mittel des Zähmens unterschieden. So heißt es, dass der Nirmāṇakāya im ursächlichen Fahrzeug über keinerlei Mittel verfügt, um untugendhafte Schüler zu zähmen, während der Nirmāṇakāya im Mantra-Fahrzeug über Mittel verfügt, um sowohl tugendhafte als auch untugendhafte Schüler zu zähmen. Zu guter Letzt werden daher auch der untrennbare Vajrakāya und der Abhisambodhikāya als überlegen angesehen. So lautet seine Erklärung.

Abschlussverse und Kolophon

Kraftvollen Schrittes im Einklang mit dem grundlegenden Raum höchster und unveränderlicher großer Glückseligkeit,
geziert vom filigranen Schmuck reinen Goldes der Bedeutung der Tantras und Kernunterweisungen,
imstande die Verantwortung für die Worte und Bedeutung des höchsten aller Fahrzeuge zu schultern –
diese lockeren Wolken ausgezeichneter Erklärungen führen raschen Weges nach Akaniṣṭha.[2]

Verkörperung aller Buddhas: Meister aus Oddiyana, großer Gelehrter Vimalamitra,
allwissender Dharma-Meister, Lebenskraft der frühen Übersetzungen: Bodhisattvas Zurchen und Zurchung;
als die meisten der von ihnen hinterlassenen Lehrtraditionen in diesem Zeitalter vom Verfall bedroht waren,
wurden sie durch die feurigen Lichtstrahlen der Sonne von Rangjung Dorje Khyentse erhellt.

Die Essenz der Anweisungen von Tantras und Sādhanās herauskristallisierend,
vollständig und fehlerlos, wunscherfüllender Schatz –
diese Leiter, die über die Ebenen und Pfade zu den fünf Kāyas führt,
wer auch immer sie erklimmt, ist zweifellos ein vom Glück begünstigter Gast.

Möge durch diesen friedvollen Fluss der makellosen Ansammlung von Verdienst,
begleitet von den aufeinanderfolgenden Wellen der drei Vortrefflichkeiten,
die Widmung des Wissens des jugendlichen Mañjuśrī vollendet werden,
und möge uns dies zur Ebene von Samantabhadra führen!

Die hier dargelegte Leiter nach Akaniṣṭha: Eine Erklärung der Entwicklungsphase der Gottheiten-Meditation wurde nach einer eindringlichen Bitte von Chakzam Rigdzin verfasst, der höchsten Inkarnation von Yeshe Lhundrup Palzangpo, ausgestattet mit dem ausgezeichneten inneren Auge, das alle Aspekte der von den Tathāgatas wohlerklärten Lehren erkennt und der für die Doktrin und ihre Halter selbstlos und eigenhändig sorgt. Er verband seine Bitte mit der Darbringung eines roten Seidenstoffs und eines glänzenden, mit goldenen Fäden verzierten Schals. Daraufhin öffnete sich durch die große illusorische Entfaltung der Strahlen von Weisheit und Mitgefühl des glorreichen Padmasambhava und seiner spirituellen Gefährtin augenblicklich der Lotos meines Geistes. Ein Verständnis aller Phänomene entstand von selbst, und ich verweilte furchtlos im Angesicht der Wahrheit.

Ich, Rangjung Dorje Jigme Lingpa, auch bekannt als Longchen Namkhai Naljor, der Dzogchen-Praktizierende, vollendete diese ausgezeichnete Darlegung im von den Tathāgatas der fünf Familien geschützten Tempel in Padma Ösel Thegchok Ling, dem herrlichen Ort spiritueller Praxis im Wald der Erleuchtung in Tsering Jong. Dies geschah in meinem neununddreißigsten Jahr, dem Jahr des Schweins (1767), während des Monats der Tänzer, an einem Donnerstag zur Zeit des Aufsteigens des Hauses des Löwens.

Möge es glückverheißend sein! Möge es glückverheißend sein! Möge es glückverheißend sein!


| Übersetzung von Theresa Bachhuber basierend auf Belehrungen von Khenchen Pema Sherab Rinpoche, für das Longchen Nyintik Project, 2026. Mit Dank an Khenpo Sonam Tsewang, Gyurme Avertin und Han Kop für ihre Erklärungen.


Quellen

Tibetische Ausgaben

'Jigs med gling pa. "bskyed rim lha'i khrid kyi rnam par gzhag pa 'og min bgrod pa'i them skas zhes bya ba bzhugs", in klong chen snying thig rtsa pod. New Delhi: Shechen Publications, 1994. Bd. 2: 215–265.

Sekundäre Quellen

Dharmachakra Translation Committee. Deity Mantra and Wisdom. Development Stage Meditation in Tibetan Buddhist Tantra. Ithaca, NY: Snow Lion Publications, 2006.


Version: 1.0-20260226


  1. Dies bezieht sich auf die Sonne, die in der indischen Mythologie von sieben Pferden gezogen wird.  ↩

  2. Dieser Vers soll uns das Bild eines Elefanten ins Gedächtnis rufen.  ↩

Jigme Lingpa

Jigme Lingpa

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