Die Heimat übersetzter tibetisch-buddhistischer Texte
ISSN 2753-4812
ISSN 2753-4812

Verse zum Entfernen von Hindernissen und zum Aufrechterhalten der Verwirklichung

English | Deutsch | Français | 中文 | བོད་ཡིག

Verse zum Entfernen von Hindernissen und zum Aufrechterhalten der Verwirklichung der Natur des Geistes

von Khenpo Gangshar Wangpo

Ich werfe mich nieder zu Füßen des Guru, meiner höchsten Führung .

Die Praxis selbst besteht darin, den Guru als den tatsächlichen Buddha anzusehen, zu ihm als solchem zu flehen mit unerschütterlicher Hingabe, die vier Ermächtigungen zu erhalten und seine Weisheit mit deinem Geist zu vermengen.

Zu diesem Zeitpunkt starre direkt auf den gewöhnlichen Geist, das klare Gewahrsein des Augenblicks, losgebunden von zwanghaften und negativen Vorstellungen. Sei nicht betrübt, wenn der Geist sich bewegt oder zufrieden, wenn er sich reglos verhält. Desgleichen wende keine Hilfsmittel zum Lockern oder Anspannen deines Geistes an, erlaube allem, (in sich) zusammenzufallen und entspanne dich innerhalb der Natur (des Geistes).

Wenn Gedanken nach außen wandern, gibt es keine Notwendigkeit, zu denken: „ Ich sollte das Gewahrsein nach Hause holen“ usw., sei ohne solche Modifizierungen des Geistes zugegen. Es gibt keine Notwendigkeit, das eine zu tun oder das andere zu beenden; bleib einfach offen und beweglich ohne jedweden Kristallisationspunkt.

Es ist nicht möglich, die Soheit des Geistes zu sehen, also verwirf die Idee, ihn zu ‚sehen’. Was immer auftaucht ist einfach die wundersame Kontinuität des Dharmakaya, frei von jedweder und sämtlichen wie auch immer gearteten Beschränkungen. Lass einfach alles auf sich beruhen in der kontinuierlichen Durchdringung äußerster Entspannung. Das kleine Kind, der Geist, ist nichts anderes als die sechs Bewusstseins in (ungezwungener Form. Greif nicht nach dem, was auftaucht, sei es gut oder schlecht; betrachte es wie einen Regenbogen am Himmel. Zerstörerische Gedanken und Emotionen befreien sich aus sich selbst heraus, wie eine Schlange, die ihre eigenen Knoten selbst entwirrt. Folge nicht deinen Gewohn heiten – begehrst du etwas, so durchtrenne die Wurzel dessen, der begehrt. Fühlst du dich süchtig, so reiß die Wurzel der Sucht aus. Ist dein Geist dumpf, so kultiviere ihn und nütze die Erfahrung, um deine Praxis zu mehren.

Trag die Essenz deiner Meditation in die Nach-Meditation hinüber. Wenn du eine kontinuierliche Entsagung spürst, Müdigkeit und Ekel gegenüber Samsara, sind dies Zeichen von Stabilität in deiner Praxis ebenso wie tiefe Hingabe [gegenüber dem Guru und seinen Anweisungen], Mitgefühl, Stabilität in der Aufbaus- und Vollendungsphase der Praxis, sowie die Fähigkeit, ohne Bedauern zu sterben.

Dies ist die Rede eines tugendhaften Vagabunden. Ich habe dies niedergeschrieben auf der Grundlage der Schriften sowie der mündlichen Unterweisungen meines Guru und meiner eigenen Erfahrung. Möge jedwede daraus hervorgehende Tugend dir zu einigem Nutzen gereichen!


| Übersetzt von Sean Price, 2016. Erstveröffentlichung bei Lotsawa House, 2019. Deutsche Übersetzung Angelika Peaston, 2026.


Bibliografie

Verwendete tibetische Edition

gang shar dbang po. “gegs sel sems ngo skyong lugs kyi mgur” in gsung ’bum/_gang shar dbang po. BDRC W2CZ6597. 1 vols. Kathmandu: Thrangu Tashi Choling, 2008. Vol. 1: 39–40

Sekundärquellen

Khenchen Thrangu, Vivid Awareness: The Mind Instructions of Khenpo Gangshar, with commentary by Khenchen Thrangu Rinpoche. Boston, MA: Shambhala Publications, 2011.


Version: 1.0–20260529

Khenpo Gangshar

Khenpo Gangshar

Weitere Informationen:

Diesen Text herunterladen:

EPUB  PDF 
Diese Website verwendet Cookies, um anonyme Statistiken zu sammeln und die Erfahrung zu verbessern.
Ablehnen
Akzeptieren