Fortschritte auf dem Pfad überprüfen

Ratschläge | Tibetische MeisterChokgyur Dechen Lingpa

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Chokgyur Dechen Lingpa

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Essentielle Ratschläge, wie man den eigenen Fortschritt auf dem Pfad überprüfen kann

aus dem Essentiellen Amrita von tiefgründiger Bedeutung: Mündliche Anweisungen und praktischer Rat für vom Glück bedachte Anhänger, die uns die Augen öffnen für das, was wir uns zu eigen machen und aufgegeben sollten

von Chokgyur Dechen Lingpa

Um zu wissen, ob du dir der Vergänglichkeit bewusst bist oder nicht,
prüfe, ob deine Pläne lang- oder kurzfristig sind.

Um zu wissen, ob du Saṃsāra als fehlerhaft wahrnimmst oder nicht,
prüfe, ob du Anhaftung und Begierden besitzt.

Um zu wissen, ob du im nächsten Leben Befreiung erlangen wirst oder nicht,
prüfe, ob du dich gut oder schlecht verhältst.

Um zu wissen, ob du in diesem Leben erwachen wirst oder nicht,
prüfe, ob du Anzeichen des Fortschritts in der Erzeugung[s-] und Vollendung[sstufe] zeigst.

Um zu wissen, ob du Liebe und Mitgefühl erweckt hast oder nicht,
prüfe, wie du dich um bedürftige Menschen sorgst.

Um zu wissen, ob du den Dämon[1] der Wut gezähmt hast oder nicht,
prüfe, wie viel Hass du gegenüber Feinden hegst.

Um zu wissen, ob du die Menschenfresserin[2] der Anhaftung gebändigt hast oder nicht, prüfe, wie sehr du an den Menschen hängst, die du liebst.

Um zu wissen, ob du das verdunkelnde Übel[3] der Unwissenheit vertrieben hast oder nicht,
prüfe, wie sehr du an Hoffnung und Angst festhältst.

Um zu wissen, ob du die drei Geistesgifte gereinigt hast oder nicht,
prüfe, in welchem Maß du Fixierung losgelassen hast.

Du wirst wissen, ob deine Dharma-Praxis dem Pfad folgt oder nicht,
indem du gründlich deinen Geist untersuchst.

Dies wurde von Chokgyur Lingpa auf Bitten von Galap Dzong Lama, Könchok Tenzin Chökyi Lodrö,[4] geschrieben. Möge es Gutes hervorrufen!

| Englische Übersetzung Lhasey Lotsawa Translations, 2020. Deutsche Übersetzung Stefan Trojer & Karin Behrendt August 2020.

Bibliographie

Quellentext

• mChog gyur gling pa, „rJes 'jug skal bzang rnams la bstsal pa’i zhal gdams bslab bya nyams len gyi skor spang blang mig 'byed zab don snying gi bdud rtsi“. Aus mChog gling bka’ ’bum skor. Band 36 des mChog gling bde chen zhig po gling pa yi zab gter yid bzhin nor bu’i mdzod chen po, S. 87–88. Kathmandu, Nepal: Ka-Nying Shedrub Ling Kloster, 2004.

Zusätzliche Quellen

• Nebesky-Wojkowitz, René De. Oracles and Demons of Tibet: The Cult and Iconography of the Tibetan Protective Deities. Delhi: Book Faith India, 1996. (Erstveröffentlichung Den Haag: Mouton & Co., 1956)


  1. Dämon ist an dieser Stelle eine Übersetzung von rgyal 'gong, eine Art von übelwollenden Geistern, die aus der Vereinigung von rgyal po– und 'gong po–Geistern geboren sind. (René de Nebesky-Wojkowitz, Oracles and Demons of Tibet, S. 300).  ↩

  2. Menschenfresserin ist an dieser Stelle eine Übersetzung von srin mo, einem weiblichen Rākṣasa beziehungsweise einer Rākṣasī.  ↩

  3. Übel ist an dieser Stelle eine Übersetzung von gdon, einem generellen Namen für böse Geister und heimtückische Einflüsse.  ↩

  4. Könchok Tenzin Chökyi Lodrö (dkon mchog bstan 'dzin chos kyi blo gros, 1801-1859), auch bekannt unter seinem Tertön-Namen Nüden Dorje (nus ldan rdo rje), war ein Drigung Kagyü-Thronfolger, der sechste Drikung Chungtsang und zweiunddreißigste Abt von Drigung Til ('bri gung mthil). Weitere Details auf TBRC: https://www.tbrc.org/#!rid=P2230.  ↩